150 Fuß Footlock-Event
2009/09/15Das von allen Anwesenden mit Spannung erwartete 50 Meter Footlock-Event bildete den Abschluss unseres 10-Jahres-Festes. Der in schwindelnde Höhe ragende Arm des 70 Tonnen-Kranes flößte allen Respekt ein. Zehn Teilnehmer haben sich für diese Herausforderung gemeldet. Hier klettern die Wettbewerber eine Strecke, für deren Bewältigung ein Großteil der Menschheit den Aufzug wählt. Die übliche Meisterschaftsstrecke beträgt für Männer 15 Meter und 12 Meter für Frauen. Den Weltrekord der Männer hält gegenwärtig Sebastian Hoffmann mit 13,06 Sekunden. Die längste bislang im Footlock zurückgelegte Strecke beträgt 100 Meter, erklommen von Bernd Strasser, Beddes, achtfacher Weltmeister im Baumklettern, und ebenfalls gern gesehener Gast auf unserem Fest!
Die 10 Helden des “Ersten 150 Fuß-Footlock-Events”


Begrifflichkeiten, Höhe und Zeitmessung
Der 50-Meter-Kran musste das Seil über unser Dach auf den Festplatz positionieren. Aufgrund der enormen Ausladung von 38 Meter war der Aufhängepunkt am Ende “nur” ca. 44 bis 45 Meter. Die Höhe wurde nicht genau gemessen und so ist es wohl besser, wir nehmen die amerikanische Längenmessung und sprechen von 150 Fuß. (Das erinnert an die Anfänge von freeworker vor 10 Jahren, als die Kletterseile noch aus USA importiert wurden. Dort waren die Standardlängen 120 und 150 Fuß). Im Vordergrund stand aber der Spaß, denn die Höhe war so oder so schon gigantisch und beeindruckend, weshalb diese Ungenauigkeit in der Höhenmessung dem Wettbewerb keinen Abbruch tat. Bitte nehmt aber die Zeiten und Höhen für spätere Vergleiche nicht allzu genau, denn weder die Höhen-, noch die Zeitmessung waren exakt genug.
Die technische Umsetzung – Raffinierter Plan von Sebastian Hoffmann
Wie bitte schafft man es, am Doppelseil 50 Meter zu footlocken? Gar nicht so einfach, denn das Seilgewicht muss mit den Füßen hochgehoben werden, was mit zunehmender Höhe verständlicherweise immer unmöglicher wird. Sollte man die Technik verwenden, die Bernd Strasser bei seinem “Wetten Dass”-Auftritt eingesetzt hat? Dort hatte er für die 100 Meter mehrere Seilstücke miteinander verbunden und beim Übersteigen des einen auf das nächste Seil das Seil unter sich ausgehängt und abgeworfen, um so das Seilgewicht gering zu halten. Er konnte dadurch aber nicht mit Footlockschlinge klettern, weil der Klemmknoten nicht über die Verbindungsstelle geschoben hätte werden können. Er war also nur mit Back-up am Rücken gesichert. Das war mir zu heiß. Ich wollte unbedingt zur Top-Rope-Sicherung eine zweite Absicherung und suchte nach einer Methode, wie man mit Footlockschlinge am Seil klettern kann. Sebastian Hoffmann gab den entscheidenden Tipp. Er schlug vor, oben am Kran, zwei oder drei Meter vom Kletterer entfernt, eine Umlenkrolle anzubringen in die man eine Reepschnur hängt, die an beide Enden des Footlockseils befestigt wird. Ein Helfer zieht dann mittels dieser umgelenkten Reepschnur das Ende des Footlock-Seiles parallel zum Kletterer mit nach oben. So hat der Kletterer nie mehr als 10 oder 15 Meter Seilgewicht unter sich. Das hat prima funktioniert, deshalb Dank an Sebastian Hoffmann!
Lediglich Thomas Henjes, der als erstes gestartet war, hatte Pech. Wir hatten nicht berücksichtigt, dass man mit der Reepschnur nicht mehr Seil auf der Zugseite der Umlenkrolle haben sollte als auf der Seite des Kletterers, denn sonst wird das hängende Seil durch das Gewicht hochgezogen und gestrafft. Bei ihm ist das ungefähr zehn Meter vor dem Ziel passiert. Das volle Seilgewicht zog nun am Klemmknoten und er hatte Mühe, die Füße aus dem gestrafften Doppelseil zu bekommen und weiter zu klettern. Wir hätten ihn gerne nochmals klettern lassen, aber 150 Fuß zweimal hintereinander, an einem Tag, das ist kräftemäßig nicht machbar. Thomas, bitte entschuldige! Du hast Dich aber trotz der Schwierigkeiten toll nach oben gekämpft und bist der Sieger der Herzen und ein großartiger Kletter-Pionier!
Sebastian Hoffman selbst hat es auch erwischt, aber dieses Mal ohne unsere Schuld. Es war der Wind, das himmlische Kind. Der Wind trieb das Seil so stark aus dem Lot, dass Sebastian es nur mit viel Mühe mit den Füßen zu greifen bekam, was natürlich viel Zeit kostete.
Markus Bauknecht – Gewinner des 150-Fuß-Aufstieg-Events
Wir haben in der Planung hin und her geschwankt, ob wir ein reines Footlock wollen oder die Aufstiegstechnik frei wählen lassen. Weil noch nicht klar war, ob viele Leute klettern wollen oder ob wir eine technische Lösung für das Footlock finden, war im Vorfeld mal vom einen, mal vom anderen die Rede. Am Ende sind sieben Teilnehmer mit Footlock und drei mit Geräten aufgestiegen.
Gewonnen hat Markus Bauknecht mit einer Treppenaufstiegstechnik in sagenhaften 88 Sekunden. Ronny Epple war Schnellster beim Footlock.
Nach dem Event gab es zu Recht lebhafte Diskussionen darüber, ob man die Techniken miteinander in einen Topf werfen kann oder sollte. Ich hatte mir da im Vorfeld keine großen Gedanken gemacht, weil für mich der Spaß im Vordergrund stand und mir die Bedeutung für zukünftige Vergleiche nicht gewärtig war. Deshalb hatte ich ohne groß nachzudenken Markus Bauknecht, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, zum Sieger gekürt und ihm den ersten Preis überreicht (das original 140 m Dyneema-Seil des Ersten 150-Fuß-Footlock-Events). Er hatte eindrücklich demonstriert, wie elegant und einfach Geräteaufstieg sein kann. Nachdem Markus dann zwar froh und stolz über diesen Preis verkündete, dass er sich sehr freue, aber eigentlich die Footlocker die Helden seien und deren Leistung würdigte, habe ich zum ersten Mal über die Bewertung nachgedacht. Bitte entschuldigt. Man hätte auf alle Fälle im Vorfeld klarer definieren sollen, ob man einen reinen Footlock-Wettbewerb macht, Freestyle oder Geräteaufstiegswettbewerb. Von vielen Seiten hagelte es deshalb Kritik und ich habe eingesehen, dass ich als Verantwortlicher diesen Sachverhalt hätte im Vorfeld besser klären müssen. Überlastung und das Chaos sind da natürlich keine Entschuldigung, denn wenn ich dieses Event als Highlight ankündige, dann muss dass natürlich auch professionell durchdacht sein. Ich kann mich im Nachhinein nur nochmals dafür entschuldigen.
Wir haben deshalb beschlossen, im Nachhinein auch die Footlocker als geschlossenen Wettbewerb zu bewerten und dem ersten einen würdigen Preis zukommen zu lassen. Ronny Epple hat mit 107 Sekunden das Rennen unter den Footlockern für sich entschieden, dicht gefolgt von James Kilpatrick aus Neuseeland (108 sec.) und Moritz Theuerkauf (111 sec.). Und weil wir weder eine Kamera an der Glocke hatten und so nicht genau erkennen konnten, wann jemand wirklich oben angekommen ist und auch sonst sicherlich noch Ungenauigkeiten in der Zeitnehmung vorgekommen sein können, werden wir den drei besten Footlockern, die zeitlich so eng beieinander lagen, einen 1. Preis zukommen zu lassen!
Der erste 150-Fuß-Footlock-Event hat somit vier „Erste Plätze“! Und zehn Sieger, nämlich alle, die den Mut hatten, sich der ungewöhnlichen Herausforderung zu stellen!
Gerätetechnik
Markus Bauknecht, Nordrhein-Westfalen, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, mit einem Seilklemmen-Aufstieg: (88 sec.)
Die Footlocker
Ronny Epple, Baden-Württemberg, Deutscher Meister, Schwedischer Meister und Europameister der Baumkletter-Meisterschaften: (107 sec.)
James Kilpatrick, New Zealand, Meister-Baumkletterer und Champion in zahlreichen nationalen wie internationalen Wettbewerben. Zuletzt gefeiert während der Texas Tree Climbing Championships im Mai 2009: (108 sec.)
Moritz Theuerkauf, Bayern, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, zahlreiche erste Platzierungen bei Einzelwettbewerben im Baumklettern: (111 sec.)
Footlock contra Geräteaufstieg
Ich hatte zusammen mit Anja Ueberschär den Aufstiegswettbewerb kommentiert und dabei laut über Mikrofon mal so lapidar verkündet, dass die Footlocker und die Geräteaufsteiger physikalisch die gleiche Energie aufbringen müssen (frei nach der Formel: Energiebedarf ist Masse x Gewicht x Höhe). Das hat heftige Proteste und Zweifel ausgelöst, da doch von allen der Geräteaufstieg als einfacher und kraftschonender empfunden wird. Die Footlocker sahen sich zurecht in ihrer Leistung nicht ausreichend gewürdigt, zumal die besten Footlocker der Welt am Start waren und trotzdem ein Gerätekletterer gewonnen hatte. Mea Culpa! Ich werde versuchen, diese Sache gerade zu rücken und aufzuarbeiten. Vielleicht kann ich jemand kompetentes dafür gewinnen, uns die physikalisch korrekte Erklärung für das zu liefern, was wir im Innersten wissen, es aber nicht erklären können und so die Kräfteverhältnisse ins richtige Licht rückt. (Energie, Leistung, Arbeit in Bezug auf die verschiedenen Kletterverfahren.)
Toni Pfanner vom Fest beeindruckt – Spontanes Sponsoring des Footlock-Events
Toni Pfanner, der es sich nicht nehmen ließ, mit seiner Frau an beiden Tagen bei unserem Fest dabei zu sein, war so beeindruckt vom Fest, den Spaß- und Spielangeboten und der Stimmung unter den Besuchern und Teilnehmern, dass er nach dem Footlock-Wettbewerb ans Mikrophon trat und spontan verkündete, er übernehme die Kosten für den 70-Tonnen-Autokran für die gesamten zwei Tage. Das habe ich unter dem tosenden Applaus der Zuschauer gerne angenommen und möchte mich bei Toni an dieser Stelle nochmals ganz herzlich im Namen aller bedanken. Denn der Kran war nicht nur für die zehn Teilnehmer des Footlock-Events angemietet, sondern für alle Gäste. Jeder konnte mit dem einzigartigen AirEmotion-Vogel in 50 Meter Höhe über das Fest kreisen und die Welt von oben betrachten. Alle, die diese Gelegenheit nutzten, waren begeistert von dem Gefühl, zu fliegen und von der grandiosen Aussicht auf München und die Berge. Ich hätte stundenlang mit diesem Vogel fliegen wollen.



