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Quick-Kit | Ropeguide Einbauhilfe

2011/05/16

Ein Rätsel – Zwei Lösungen

Thomas Lanzl ist Lagerist bei Freeworker. Er sorgt dafür, dass die Bestellungen richtig und schnell zum Kunden kommen. Das Baumklettern ist eigentlich nicht seine Passion, schon eher das Radfahren. Leser der Freeworker-News kennen ihn aus Berichten über das jährliche 24-Stunden Mountain-Bike-Rennen im Münchner Olympiapark. Als Gastfahrer im Team der Münchner Baumkletterschule hat er schon für überraschende Rundenzeiten gesorgt. Jetzt aber hat er auf einem Gebiet reüssiert, wo professionelle Baumkletterer schon lange nach einer Lösung gesucht haben.

So ziemlich jeder Baumkletterer kennt den Ropeguide – ein Kambiumschoner, der fast alles kann. Er ist stufenlos einstellbar, lässt sich leicht liften, hat eine leichtlaufende schicke und einmalige Laufrolle für das Seil, dazu ein Sicherheitssystem, das wie ein Airbag den Kletterer im Fall eines Falles vor harten Fangstößen schützt. Das Ausbau-Prinzip mit dem Abziehschäkel wurde inzwischen vielfach kopiert. Kurzum, der Ropeguide ist der Superstar unter den Kambiumschonern, der Maßstab für andere. Wenn er doch nur auch vom Boden einzubauen wäre …

Darüber diskutierten Thomas Lanzl und Harald Gräb bei einer der legendären Feierabend-Talk und -Tüftelrunden im Freeworker-Shop, wo Baumkletterer und Mitarbeiter oft bei Kaffee oder Feierabendbier schwatzen, tüfteln und fachsimpeln. Beide konnten nicht glauben, dass es für den Einbau des Ropeguide vom Boden keine Lösung gibt. Immer und immer wieder haben sie Gedanken und Überlegungen ausprobiert, Knoten geschlagen, wieder gelöst, gedreht, gezogen und geschlagen, verworfen und wieder neu überlegt, bis der Morgen graute – ohne Lösung.

Das Thema hatte Thomas von da an gepackt. Immer und immer wieder hat er darüber nachgedacht. Es wollte einfach nicht klappen. Plötzlich hatte er den genialen Einfall. Voller Stolz stellte er das Prinzip vor. Die Fachwelt staunte.

Es lief jedoch noch nicht rund. Denn wie so oft, entscheiden kleine Feinheiten über Top oder Flop. Er tüftelte deshalb weiter und forschte nach geeigneten Hilfsmitteln, stöberte in Heimwerkermärkten, im Internet, in Haushaltswarengeschäften, probierte verschiedene Materialien aus wie Holz, Moosgummi, gepresste Wattekugeln, Karabinergummis, Beißkugeln aus der Wallerfischerei oder verschiedene Senkbleie aus dem Angelsport.
Schließlich hatte er es geschafft. Eine Lösung ohne die alles wieder zerstörende Kleinigkeit. Diesmal lief es nicht nur rund, sondern es funktionierte für alle Systeme, ob Ropeguide (außer Ropeguide Primus) mit Cocoon oder Link-Rolle oder Kambiumschonern mit Ropeguide-Prinzip.

Als Hubert Kowalewski, der Erfinder des Ropeguide, die Lösung vorgestellt bekam, war er sehr angetan von der Umtriebigkeit des Tüftlers und dessen Lösung. Weil das Herzstück des Systems, das Senkblei aus dem Angelsport, nicht optimal für die Umwelt ist, konstruierte und fertigte er für Thomas nicht nur einen Ersatz aus Edelstahl, sondern passte die Form auch optimal an die Erfordernisse in der Praxis an.

Überall traf die Lanzl-Lösung auf Begeisterung und viele wollten das Teil haben. Thomas konnte die Freeworker-Geschäftsleitung dafür gewinnen, trotz geringer Margen und Stückzahlen, dieses clevere Hilfssystem zu vermarkten.

Von den ersten Versuchen bis zur Serienreife hat es fast neun Monate gedauert, ein Name hingegen war schnell gefunden: Quick-Kit. Seit Ende 2010 ist das Quick-Kit bei Freeworker erhältlich und Thomas nun in Personalunion Lagerist, Lieferant und Hersteller eines Produktes. Er selbst spleißt in Handarbeit die notwendige Wurfseilkonstruktion formschön zusammen.

Hier könnte die Geschichte eigentlich enden. Aber Thomas erging es wie vielen anderen Erfindern und Tüftlern. Oder wie dem Hasen, der nach anstrengendem Lauf im Ziel den Igel sieht. Steven Ibeling, der Designer der neuen SmartWinch, wurde beim Freeworker auf das Quick-Kit aufmerksam. Als ihm das Kit vorgestellt wurde, meinte er verwundert, dass es doch schon eine Lösung gäbe. Sein Freund Wolter Kok habe eine Lösung gefunden, die ohne Hilfsmittel auskomme. Diese habe er schon vor Jahren ins Netz gestellt. Thomas war also nicht der Erste, der eine Lösung gefunden hatte. Seine Lösung ist und bleibt jedoch beeindruckend und kann trotz notwendigem Hilfsmittel einen Vergleich bestehen.

Auf Bild klicken für große Ansicht.

Lösung Kok: hier System “Holland” genannt

  • Wurfleine einwerfen.
  • Ropeguide oder Rollenkambiumschoner auslegen.
  • Kletterseil in die Rolle einziehen.
  • Beide Seilenden an das eine Ende der Wurfleine befestigen.
  • Das andere Ende der Wurfleine durch den Ring führen und das Seil hochziehen.

Lösung Lanzl: System Quick-Kit

  • Wurfleine einwerfen.
  • Ropeguide oder Rollenkambiumschoner auslegen (Seil bis zum Anschlag ausziehen).
  • Schraubglied am Quick-Kit von außen durch die Rolle ziehen.
  • Rolle aufhängen durch Einhängen des Gummis ins Schraubglied.
  • Schraubglied am einen Ende der Wurfleine fixieren.
  • Das andere Ende der Wurfleine durch den Ring führen und das Seil hochziehen.

Was nun geschieht ist „magic“.
Schraubglied, Rolle und Korpus des Ropeguide werden erst über den Ast, dann durch den Ring gezogen. Sobald der Korpus am Ring anschlägt, springt bei weiterem Anziehen der Wurfleine der Gummi aus dem Schraubglied heraus und gibt die Schlaufe, in der die Rolle hing, frei. Das Edelstahlgewicht wird nun ebenfalls durch den Ring gezogen, kann jedoch nicht durch die Rolle durch und wird zu Boden gelassen. Die Wurfleine hängt nun wie gewünscht in der Rolle und das Kletterseil kann bequem eingezogen werden.

Die Idee von Wolter Kok besticht durch ihre Einfachheit. Zu ihrer Realisierung bedarf es keines Zusatzteiles. Doch auch das Quick-Kit hat seine Vorzüge, was ein Vergleich der beiden Systeme deutlich macht.

  • Beim „System Holland“ muss beim Einfädeln die halbe Seillänge komplett durch die Rolle gezogen werden, beim Quick-Kit nur ein kurzes Stückchen Wurfleine.
  • Beim „System Holland“ muss das komplette Seilgewicht über die gesamte Länge am Doppelstrang nach oben gezogen werden, beim Quick- Kit hingegen nur das Gewicht des Ropeguide.
  • Neben dem Seilgewicht ist der Kraftaufwand beim „System Holland“ auch wegen der großen Reibung sehr hoch, weil die komplette Seillänge als Doppelstrang über den Ast gezogen wird.
  • Das Seil wird beim Quick Kit nicht schmutzig oder abgenutzt, da nur die Wurfleine über den Ast läuft, nicht das Seil.
  • Die Gefahr des Hängenbleibens in einer Astgabel oder am Ankerpunkt ist beim Quick-Kit wesentlich geringer.

Beide Lösungen sind bestechend und faszinierend. So richtig nach dem Geschmack der Baumkletterer, die bekannt sind für individuelle Tüftel-Ideen. Für welche
Lösung sich die Baumkletterwelt entscheidet, oder ob gar noch andere Lösungen gefunden werden, wird die Zukunft zeigen.

Wolter Kok ist seit 1984 in der Baumpflege tätig.
Anfangs vor allem als Baumpfleger, doch seit 1995 befasst er sich auch verstärkt mit der Baumsicherheitskontrolle und mit Baumuntersuchungen. Er war der erste Baumpfleger in den Niederlanden mit dem Zertifikat „European Tree Worker des European Arboricultural Council“. Seit 2003 ist Wolter offiziell Kontrolleur für Baumsicherheit. Die Leidenschaft für den Beruf Baumpflege bei ihm hört nach Feierabend nicht auf.
Er engagiert sich in der Redaktion der Zeitschrift „Boom“, in der Organisation der niederländischen Meisterschaften oder auch gern für die eine oder andere Baumkletterparty.

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Kategorien
ART
Tags
ART, Kambiumschoner, Ropeguide, Seileinbau
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