Die Geschichte des Slacklining begann, so die Legende, im Sommer 1983. Ort des Geschehens war der Yosemite National Park in Kalifornien. Dort verbrachten Chris Carpenter und sein Freund Scott Balcom ihre Ferien. Eines Nachmittags, so erzählt man sich, beobachteten sie auf dem Platz vor ihrer Hütte Adam Grolkowski, der dort ein Seil gespannt hatte. Adam hüpfte mit einem Sprung scheinbar mühelos auf das Seil, ging ein paar Mal die gesamte Distanz hin und her und dann, als wäre das nicht schon eindrucksvoll genug gewesen, fing er an zu schaukeln. Er setzte das Seil in Bewegung und begann, harmonisch im Rhythmus mit dem Seil irgendwie zu tanzen.
Scot und Chris war der Spaß am Balancieren nicht fremd, doch so was hatten sie noch nie gesehen – kaum wieder zuhause, holten sie sich ihre ersten eigenen Slacklines, legten los und steigerten sich zur Highline. Scott wollte den Lost Arrow Spire, die berühmte Felsnadel im Yosemite National Park, über die Slack-Highline erobern.
Schnell wurde klar, wie wichtig die Konzentration und die absolute Präsenz im Hier und Jetzt waren. Vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse, die die beiden an die Slacklining Szene weitergaben. Dieser meditative Ansatz ließ jedenfalls Scott sein Ziel erreichen: Er eroberte den Lost Arrow Spire im Sommer 1985 – und mit seinem Erfolg begann dann der weltweite Siegeszug der Slackline.
Slackliner konzentrieren sich in erster Linie auf den harmonischen Fluss der Bewegungsabläufe, wie auf das Einatmen und Ausatmen. Sie gewinnen Schritt für Schritt mehr Gespür und Vertrauen in sich selbst. Was man auf der Slackline lernt, so ganz für sich allein, stärkt jeden einzelnen Menschen in seinem Inneren, in der Wahrnehmung seiner Umwelt und in der Erfahrung, immer schön einen Schritt nach dem anderen zu gehen – auf der Slackline genauso wie im Leben überhaupt.