Auffanggurte – Sicherheit gegen den tiefen Fall

Zur Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) zählen unter anderem Auffanggurte. Bei allen Arbeiten im absturzgefährdeten Bereich muss der Anwender einen geeigneten Auffanggurt tragen, sofern der Einsatz von kollektiven Sicherungsmaßnahmen nicht möglich ist. Ein Auffanggurt allein ist aber nicht ausreichend, er ist immer in Verbindung mit weiteren, für die Absturzsicherung zugelassenen Elementen wie Bandfalldämpfern zu tragen.

Auffanggurt vs. Industrieklettergurt

Schwarz-gelber Sicherheitsgurt

Auffangurt Newton Easyfit

Zweck des Auffanggurtes ist, dass er im Fall eines Sturzes die auftretenden Kräfte aufnimmt und Verletzungen auf ein Minimum reduziert. Dazu nimmt er die Kräfte breitflächig und gezielt auf und verteilt sie auf verschiedene Körperpartien wie Oberschenkel und Oberkörper. Dies verhindert schwere Verletzungen durch den Sturz, insbesondere an empfindlichen Körperstellen. Zusätzlich sollte der Auffanggurt die Blutzirkulation möglichst wenig behindern, wenn der Anwender nach einem Sturz darin hängt. Ziel ist eine möglichst stabile, aufrechte Position des Abgestürzten.

Auffanggurte sichern nur den Absturz ab und sind nicht besonders gut gepolstert. Sie sind nicht dafür ausgelegt, um im Gurt hängend zu arbeiten. Es ist bei ihnen wichtiger, möglichst behinderungsfrei zu arbeiten, als gut gepolstert zu sein. Diese Gurte müssen mindestens nach EN 361 zertifiziert sein

Schwarz-grüner Sicherheitsgurt

Industrieklettergurt Vertic Triple Lock

Sitzgurte nach EN 813 sind für Arbeiten gedacht, bei denen der Anwender hauptsächlich mit seinem vollen Gewicht im Gurt hängt. Deshalb haben diese Gurte eine sehr gute, breite Polsterung, so dass der Arbeiter schmerzfrei über einen längeren Zeitraum darin hängen, beziehungsweise sitzen kann.

Vollwertige Industrieklettergurte sind ebenfalls gut gepolstert und verfügen zusätzlich noch über Halteösen für die Positionierung. Sie sind nach EN 361, EN 358 für Haltegurte und nach EN 813 zertifiziert.

Auffanggurt vs. Haltegurt

Auf dem Markt gibt es darüber hinaus Auffanggurte, die zusätzlich nach der EN 358 für Haltegurte geprüft sind. Diese Gurte haben über die reine Sicherungsfunktion bei einem Absturz, die weitere Funktion den Arbeiter in seiner Position zu halten. Über zusätzliche Halteösen im Beckenbereich, ist der Arbeiter gesichert und hat beide Hände frei zum Arbeiten. Auffanggurte finden auch in Rückhaltesystemen Anwendung. Der Arbeiter kommt, an einem entsprechend langen Seil gesichert, mit diesen Systemen erst gar nicht bis in den absturzgefährdeten Bereich.

Ringe und Auffangösen an Auffanggurten

Über Ringe und Auffangösen an den Auffanggurten verbindet sich der Arbeiter mit dem Auffang- und Sicherheitssystem, an dem er bei einem Absturz hängt. Die meisten Auffanggurte haben dafür einen hintere (dorsale) und/oder vordere (sternale) Auffangöse, an die das Verbindungsmittel angebracht wird. Bei einem Anschlagspunkt hinter oder über dem Arbeiter, empfiehlt es sich die hintere Öse zu verwenden. Ist der Anschlagspunkt vor ihm oder droht er beim Absturz gegen ein Objekt zu prallen, ist die vordere Öse die bessere Wahl.

Spezielle Auffanggurte haben eine weitere Öse am Bauchgurt. Diese Steigschutzösen finden ihren Einsatz bei Steigeinrichtungen wie zum Beispiel Steigleitern. Bei der Benutzung dieser Systeme ist entweder die vordere Öse oder die Steigschutzöse direkt ohne Zwischenverbindung anzuschließen. Für mitlaufende Auffanggeräte inklusive beweglicher Führung ist die Steigschutzöse nicht geeignet. Seitliche Halteösen am Gurt sind ausschließlich für den Halt des Arbeiters in der Arbeitsposition gedacht. Sie übernehmen keine Funktion bei der Absturzsicherung

Sicherer Umgang mit Auffanggurten

Da Auffanggurte zur PSA zählen, muss sie mindestens einmal im Jahr ein Sachkundiger überprüfen. Nach einem Sturz in den Gurt ist dieser auszusortieren und durch einen neuen zu ersetzten. Für Arbeiter, die regelmäßig im absturzgefährdeten Bereich unterwegs sind, ist ein eigener Auffanggurt anzuschaffen.

Es ist empfehlenswert vor der ersten Benutzung eines neuen Gurtes, diesen mit Hilfe eines Hängeversuches zu überprüfen. Insbesondere wenn weitere Schutzausrüstung wie zum Beispiel Atemmasken hinzukommen, ist ein Hängeversuch dringend durchzuführen. Dies verhindert, dass bei einem Sturz andere Schutzausrüstung beschädigt oder verschoben wird.

Wie alle anderen Elemente der PSAgA sind diese vor schädlichen Stoffen und Einflüssen zu schützen. Aggressive Stoffe (zum Beispiel: Säuren, Laugen, Lösemittel), zu hohe oder zu niedrige Temperaturen oder Funkenflug können die Schutzwirkung des Auffanggurtes mindern. Die Gurte am besten trocken und vor direktem Sonnenlicht und schädlichen Stoffen geschützt lagern.

Vor der erstmaligen Benutzung eines Gurtes immer die Bedienungsanleitung lesen oder sich von einem erfahrenen Mitarbeiter oder Vorgesetzten einweisen lassen. Gerne beschriften Mitarbeiter ihren Gurt, um diesen nicht zu verwechseln. Dafür sind nur zugelassene, lösungsmittelfreie Stifte zu verwenden!


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