SpiderJack 3 und RopeGuide TwinLine: Hubert Kowalewski im Gespräch

Hubert Kowalewski ist Vordenker, Entwickler und Inhaber von Advanced Ropeclimbing Technology – kurz ART. Regelmäßig begeistert er mit seinen Neu- und Weiterentwicklungen die Baumkletterszene. Auch die angekündigten SpiderJack 3 und RopeGuide TwinLine sorgen für mächtig Wirbel. Nachdem sich leider die Auslieferung der Geräte auf Ende September verzögert, sprach Hubert mit uns über die Hintergründe und erklärte die verbesserten Geräte.

Kowalewski: „Hoffe Begründungen sind nachvollziehbar!“

Hallo Hubert, leider verzögert sich beim SpiderJack 3 und RopeGuide TwinLine die Auslieferung. Zunächst möchtest du sicherlich erst einmal ein paar Worte an die Kunden richten.

Ich möchte mich bei allen Bestellern des SpiderJack 3 und des RopeGuide TwinLine für die verspätete Auslieferung entschuldigen. Wenn man sich entschließt, ein Produkt zu bestellen und bereit ist, dafür Geld auszugeben, erwartet man zu Recht, dass zügig geliefert wird. Aber ich hoffe, dass die Begründungen nicht nur nachvollziehbar sind, sondern eine neue Vorfreude auf die bestellten Produkte bewirken.

Beim SpiderJack 3 lief die Serienproduktion schon an. Warum musstest du an dieser Stelle noch einmal unterbrechen?

Als ich die Mustergeräte vergeben hatte, gab es nach einigen Wochen durchweg sehr positive Bewertungen aus der Praxis. Auch die notwendigen Tests bei der Zertifizierungsstelle verliefen tadellos. Also wurde das SpiderJack 3 Video in Australien unter der Leitung von Joe Harris (Vize Weltmeister mit SpiderJack 2.1) gedreht. Barton Allen Hall wurde mit einem SpiderJack 3 der Musterserie Vize-Weltmeister 2016.

Dieses tolle Video und nicht zuletzt der hervorragende 2. Platz haben die erste große Welle von Bestellungen ausgelöst. Ich habe daraufhin wesentliche Bauteile für die erste Serie bei den Herstellern der Einzelteile bestellt. Eines Tages wurde mir berichtet, dass ein Muster-SpiderJack 3 ungewöhnlich deutliche Abriebspuren an einem neuen Baumkletterseil hinterlassen hat.

Verbreitertes Bremsholz am SpiderJack3 für mehr Seilschonung

Ein Hinweis, den du ernst genommen hast. Was waren deine ersten Schritte, nachdem du von diesem Problem erfahren hast?

Sofort habe ich selbst nochmals eigene Tests mit verschiedenen Seilen gemacht. Ich musste feststellen, dass bestimmte Seile mit besonders empfindlichen Fasern mehr Abrieb aufwiesen. Beim seilschonenden SpiderJack 2 und 2.1 war ich das anders gewohnt. Nach eingehenden Untersuchungen und Überlegungen wurde mir klar, dass das wesentlich schmalere Bremsholz beim SpiderJack 3 die Ursache für den stärkeren Abrieb war.

Welche Veränderungen musstest du vornehmen, um dem stärkeren Abrieb entgegen zu wirken.

Das Bremsholz musste um drei Millimeter breiter werden, um das Seil besser zu schonen. Diese Erkenntnis hatte zur Folge, dass das Bremsholz, die Bremsholz-Lagerung, der Gerätekorpus und auch der Rahmen um drei Millimeter breiter werden mussten. Ich entschied die bereits bezahlten und im Lager befindlichen Bauteile zu verschrotten, die Konstruktionszeichnungen zu überarbeiten und neue Muster zu bestellen.

Anschließend ließ ich den SpiderJack 3 erneut bei der Zertifizierungsstelle testen. Bei dieser Gelegenheit ist die obere Karabiner-Aufnahme verstärkt und mit einer Karabiner-Verdreh-Sicherung ausgestattet worden. Natürlich kostet eine Modifizierung nicht nur viel Geld, sondern auch Zeit. Ebenso benötigt die Herstellung und Lieferung der neuen Teile leider Wochen. Im Ergebnis kommt der SpiderJack 3 verspätet, aber dafür in seiner bestmöglichen Version auf den Markt und zum Kunden.

Fangstoßwert am RopeGuide gesenkt

Zum RopeGuide TwinLine: Ein Gerät, das viele Vorteile und Neuerungen verspricht. Aber was verursachte beim RopeGuide die Verzögerungen?

Bei den ersten Mustergeräten gab es ebenfalls positive Bewertungen aus der Praxis. Schon allein deswegen, weil dieser Kambiumschoner der erste ist, der vom Boden aus sicher und einfach ein- und auszubauen ist. Gleichzeitig kann das lange Ankerseil als zweite Zustiegsmöglichkeit zur Rettung, wie auch für einen zweiten Kletterer eingesetzt werden. Auch ein kurzes Ankerseil kann alternativ mit einem flexiblen Seilauge verwendet werden.

Also wurde auch für dieses neue Produkt ein Video mit Joe Harris, Barton Allen Hall, Kiah Martin und mir gedreht und auf meinem YouTube Channel hochgeladen.

Da der RopeGuide TwinLine auch für SRT Kletterer interessant ist, wollte ich auch die Zertifizierung für die bei SRT-Kletterern sehr beliebten Statik-Seile erreichen. Der serienmäßig eingebaute ZipAbsorber sollte im Teststurz (100 kg/1 Meter Sturz-Weg) beim Fangstoß unter 6 Kilonewton bleiben. Bisher mussten alle vorherigen RopeGuide-Versionen in Verbindung mit Kletterseilen nach EN 1891 verwendet werden, denn diese Seile haben eine zertifizierte, definierte Fangstoß-dämpfende Eigenschaft. Beim entscheidenden Test lag der Fangstoßwert leider bei circa 6,7 Kilonewton. Da ich das Ziel, auch ein statisches Kletterseil verwenden zu können nicht aufgeben wollte, habe ich konstruktiv nach einer Möglichkeit gesucht, den Fangstoßwert zu senken.

Wie konntest du den Fangstoßwert senken?

Letztlich habe ich durch eine veränderte Aufhängung des originalen ZipAbsorber am Gerätekorpus den Widerstand des ZipAbsorber reduzieren können. Beim neuerlich offiziellen Test lag der Fangstoßwert bei circa 5,6 Kilonewton. Das Ziel war erreicht, die SRT Kletterer dürfen offiziell ein statisches Kletterseil verwenden, wenn sie am RopeGuide TwinLine ankern!

Allerdings war auch für den RopeGuide TwinLine die erste Serie von Gerätekörpern produziert und bezahlt. Glücklicherweise musste ich diese nicht verschrotten. Durch eine exakte, CNC gesteuerte Nachbearbeitung konnten diese einsatzfähig gemacht werden.

Verbesserungen nach Hinweisen aus der Praxis

Gab es auch beim RopeGuide TwinLine Erfahrungen aus der Praxis, welche die Auslieferung verzögerten?

Ja leider wurden mir aus der Praxis drei Nachteile des eigentlich fertigen RopeGuide TwinLine bekannt:

  1. Beim Klettern mit dem laufenden Doppelseil (DRT) und flachem Seilwinkel kam es gelegentlich vor, dass der Trapeze-Schäkel in die Cocoon einschnappte.
  2. Der Trapeze schnappte auf bisher ungeklärte Weise in den zweiten Seilstrang ein.
  3. Der kleine Schapp-Karabiner zur Aufhängung der Ally-Umlenkrolle verdrehte und verkantete manchmal.

Wie konntest du die Nachteile beheben?

Um den ersten Nachteil zu beheben, habe ich ein Federstahl-Blech in die ZipAbsorber-Hülle eingebaut. Dieses Federstahl-Blech (0,5 Millimeter) sorgt dafür, dass der Trapeze- Schäkel permanent von der Cocoon weggeschoben wird.

Um dem zweiten Nachteil entgegenzuwirken, habe ich den Trapeze- Schäkel ebenfalls mit einem Federstahl-Blech versehen. Dieses kleine und sehr dünne Blech (0,3 Millimeter) sorgt dafür, dass der Öffnungswiderstand des Verschlusses von circa 400 Gramm auf circa 1500 Gramm erhöht ist, ohne die sehr praktische Schnappfunktion zu beeinträchtigen.

All diese Veränderungen, Nacharbeiten und Modifizierungen haben ebenfalls Zeit, Arbeit und Geld gekostet. Und auch hier kommen Wochen an Zeitverlust für die Herstellung und Lieferung neuer Teile hinzu.

Trotz der Verzögerungen, also ein Vorteil für die Kunden?

Ja, der an die Kunden ausgelieferte RopeGuide TwinLine mit seiner Fülle an Anwendungsmöglichkeiten und Features kommt jetzt in der bestmöglichen Version.

Letzte Frage: Deine Geräte sind bei vielen Baumklettern mehr als beliebt. Woher kommt diese Leidenschaft, die Geräte bis ins letzte Detail zu perfektionieren.

Meine schönste Freude ist es, wenn ich die begeisterten Gesichter von Baumpflegern sehe, die mit ART Produkten sichtlich mehr Spaß am Baumklettern haben.

Vielen Dank für die Antworten!

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.