Hybrid-Geräte (Multiscender) für Aufstieg, Abstieg und Arbeitsplatzpositionierung

Ein Ratgeber rund um multifunktionale Geräte (Multiscender) zum Aufsteigen, Abseilen und Arbeiten im Baum

Artikel im Original zuerst erschienen im Arb Climber Magazin No. 10 (engl.)

Übersetzung: Elisabeth Morgenstern, Freeworker

Dieser Guide beschäftigt sich mit autonomer Hardware für Aufstieg, Abstieg und Arbeitsplatzpositionierung. Traditionellere Systeme und ihre modernen Äquivalente nutzen ein Klemmknotenseil und dazugehörige Hardware wie Hitch Climber, Rope Wrench, HitchHiker etc. – deren Befürworter werden sagen, dass dies die besseren Systeme sind. Sie sind sicherlich billiger und für gewöhnlich auch leichter.

Klemmknoten-SystemKlemmknotensystem vs. Multiscender

Das abgebildete System, das auf dem Bild zu sehen ist, ist ein typisches, modernes Klemmknotensystem mit einem Bachmannknoten, einem Klemmheistknoten oder – wie in diesem Fall – dem sehr beliebten Valdotain-Tresse. Benutzt werden außerdem ein Rope Wrench Single Tether und eine Hitch Climber Seilrolle, die an der zentralen Verbindung (Seilbrücke, Ring, Wirbel) befestigt ist. Der Rope Wrench entlastet den Knoten und erleichtert so die Kontrolle. Das gesamte System ist relativ kostengünstig, aber sehr ausladend. Außerdem benötigt man im Verhältnis zu den hier besprochenen Multiscendern viel Zeit, um es zu installieren und/oder zu wechseln.

Für beide Optionen benötigt man die gleiche Menge an zusätzlichen Aufstiegshilfen, um einen effizienteren Aufstieg zu gewährleisten. Um mit einem Multiscender effizienter zu sein, als einfach nur zu footlocken, benötigt man eine Fuß- und/oder Kniesteigklemme. Genau genommen lässt sich aber die gesamte Hardware, über die wir in diesem Fall sprechen, ganz einfach am Gurt befestigen. Man kann sie benutzen, um in den Baum hinauf und wieder hinunter zu gelangen und um im Baum zu arbeiten, während man sich in der Krone befindet.

SRT vs. DdRT

Dann gibt es da auch noch die ewige Debatte über Single Rope Technique (SRT) oder Doubled Rope Technique (DdRT). Bei der DdRT werden beide Seilstränge desselben Seils benutzt. Das sorgt für einen 2:1 Flaschenzug, der die Aufnahme während des Aufstiegs erleichtert und den Abstieg kontrollierbarer macht.

Allerdings könnte man sagen, dass die DdRT gleichzeitig weniger effizient als die SRT ist, da man für die gleiche Strecke die doppelte Menge an Seil durchziehen muss. Macht das unter euch aus. Einige der hier besprochenen Geräte können sowohl für SRT, als auch für DdRT verwendet werden.

Was versteht man unter ‚Hybrid‘?

Petzl GriGri und TAZ Lov2Als Definition ist der Begriff ‚Hybrid‘ nicht wirklich zutreffend, da er auch für einige andere Seilgeräte verwendet werden könnte, die mehr als eine Nutzungsart bieten wie z. B. CMC MPD als Abseilgerät/Ablassgerät/Gerät mit Rücklaufsperre oder SMC Advance HX und Petzl Traxion als Seilrolle/Gerät mit Rücklaufsperre. Diese Geräte sind aber in keiner Weise mit den hier besprochenen ‚Hybriden‘ zu vergleichen. Denn diese werden routinemäßig als Kombination aus Aufstiegs- und Abseilgerät und zur Arbeitsplatzpositionierung verwendet.

Und selbst diese Definition ist ein wenig irreführend, da Petzl GriGri, TAZ Lov2 und in der Tat viele weitere selbstblockierende Abseilgeräte als Rücklaufsperre verwendet werden können. Deshalb kann man sie behelfsmäßig für den Aufstieg ebenso wie für den Abstieg und zur Arbeitsplatzpositionierung benutzen – dank der einfachen Aufnahme von Schlaffseil.

Aufnahme von Schlaffseil

Aber diese Geräte nehmen das Schlaffseil nicht automatisch auf, wenn man sie am Seil nach oben schiebt. Ganz im Gegenteil: Man muss das Seilende beim Aufstieg aktiv durch das Gerät ziehen. Das ist eines der beiden Dinge, die sie von Multiscendern unterscheiden. Außerdem würde man sie nicht anstelle eines Klemmknotensystems für den Aufstieg verwenden – und das ist schließlich der Heilige Gral, nach dem die Multiscender streben.

Nicht, dass es jemals akzeptabel gewesen wäre, sich mit hoher Geschwindigkeit ausschließlich mit einem Klemmknoten abzuseilen … aber das haben viele Kletterveteranen gemacht (tun es heute noch?). Die sicherere Option ist es, auf ein spezielles Gerät umzusteigen. Denn eigentlich ist der ‚Heilige Gral‘ ein einziges Gerät, das Aufstiegsgerät oder Klemmknotensystem UND Abseilgerät ersetzt. Und genau das ist es, was der Begriff ‚Multiscender‘ passend beschreibt.

Ursprünge der Multiscender

ursprüngl. AufstiegsgerätÜbrigens mag es so aussehen, als sei die Idee der ‚Multiscender‘ neu. Tatsächlich wird darüber aber bereits seit den frühen Achtzigern in britischen Höhlenkletterer-Kreisen diskutiert. Nicht zu vergessen, dass so ziemlich alles, was derzeit in der SRT angewendet wird, aus dem Höhlenklettern stammt – einschließlich der ursprünglichen Entwicklung selbstblockierender Abseilgeräte mit dem STOP von Petzl.

Die jüngste Auslese an Geräten, die in diesem Bericht hervorgehoben werden, hat dann aber doch mehr mit den ursprünglichen Jumars als mit dem STOP zu tun. Insbesondere, wenn man sich das silberne Aufstiegsgerät auf dem Bild aus einer iranischen Klettergruppe anschaut. Dort wird das Gerät als Vorgänger des kultigen, gelben Swiss Jumar bezeichnet und stammt somit vermutlich aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Kommt euch diese Art der Klemmvorrichtung aus Kettengliedern irgendwie bekannt vor?

ART betritt die Bühne

LockJackWas die Entwicklung des künstlichen Klemmknotens betrifft, gehen die Lorbeeren wohl an ART: Den LockJack gibt es bereits seit vielen Jahren. Ich kann mich erinnern, eine der ganz frühen Versionen bei den Jungs der Baum-Abteilung der Royal Kew Gardens in den Neunzigern abgestaubt zu haben. Dieser LockJack hängt noch immer in meiner Werkstatt, hat aber nichts mehr mit dem Hochglanz-Modell zu tun, dass auf dem Bild zu sehen ist.

Es liegt eine lange Zeit zwischen Hubert Kowalewskis erstem Modell und heute, bis die Entwicklung der ‚künstlichen Klemmknoten‘ in Gang gekommen ist. Das hat mit dem dramatischen Wechsel von traditionellen Baumkletter-Methoden mit Seil-auf-Seil-Systemen hin zum ‚technischen Klettern‘ mit einem immer größer werdenden Angebot an Hardware und Raffinesse zu tun. Seitdem Unternehmen aus dem technischen Bereich wie DMM, Petzl, Rock Exotica und ISC sich eingemischt haben, schreitet die Entwicklung explosionsartig voran.

Entwicklung innerhalb der Szene

UnicenderRope RunnerUnd heute … Wenn man sich die Hybride in diesem Guide anschaut, überrascht es vielleicht, dass es zum einen nicht viele gibt. Zum anderen wurde die Mehrheit dieser Geräte – angefangen bei ART über Morgan Thompsons Unicender (siehe rechts) bis hin zu Kev Binghams Rope Runner (siehe links) – innerhalb der Baumpflege-Szene entwickelt, ehe sie von den Metall-Zauberern übernommen wurden.

Zugegeben, im Fall des Unicender – der für viele Jahre das einzige Gerät dieser Art auf dem Markt war – war es ein offensichtlicher und kurzer Weg von Morgans ursprünglicher Idee bis zur Übernahme von Entwicklung und Produktion durch die namensgebende Firma. Trotzdem bleibt es eine Idee, die außerhalb der breiten Masse von Seilzugangstechnik und Rettung geboren wurde.

Line-BossAkimboDer vielversprechende GET Int. Line-Boss (siehe links) ist schon vor einer Weile vom Markt verschwunden. Kev Binghams Rope Runner sollte in einer überarbeiteten, zweiten Version herauskommen, aber das scheint derzeit auf Eis zu liegen. Jamie Merrits Akimbo (siehe rechts) wird mittlerweile ebenfalls von Rock Exotica produziert. Alle haben sich vom Garagen-Prototyp zum professionell produzierten Gerät entwickelt. Vermutlich wird auch Gordon Svedbergs Bulldog diesen Weg gehen.

ZigZag – das nächste große Ding?

ZigZagAber für den Moment ist es wohl hauptsächlich der Petzl ZigZag, der den Einzug der breiten Masse der technischen Geräte in den Bereich der Baumpflege repräsentiert – und nicht umgekehrt. Auf ARTs Spuren hat sich der ZigZag eher an die DdRT und die altbewährte Funktionalität eines Klemmknotensystems mit umlaufendem System/ Klemmknotenschlinge gehalten. Dennoch hat er sich schwergetan, allgemein akzeptiert zu werden – und das haben wir ursprünglich eigentlich erwartet.

Schuld daran ist unter anderem, dass er nicht an jeder beliebigen Stelle am Seil befestigt werden kann – aber dieser Umstand hat auch ART nicht gestoppt. Deshalb liegt es wohl hauptsächlich an einem frühen Fehler am Gerät und dem daraus resultierenden Rückruf, der den Markt zurückgeschreckt hat. Man kann sicherlich sagen, dass der ZigZag den richtigen Moment verpasst hat, um in der Baumpflege-Szene so zum Begriff zu werden, wie es der GriGri in der Sportkletter-Szene ist.

Multiscender benötigen Übung

Alle Geräte in diesem Guide sprechen Techies an und schrecken Traditionsbewusste ab. Techies sind diese Groupies von glänzendem Metall. Sie kaufen und probieren glückselig alles aus, was neu ist, mehr als ein herkömmlicher Klemmknoten wiegt und … nunja … eben glänzt. Und für die meisten dieser Geräte muss man tatsächlich ein kleiner Techie sein. Denn sie sind nicht für Anfänger gedacht. Jeder, der sich das Leben einfacher machen möchte, sich aber nicht wirklich mit den herkömmlichen Methoden auskennt, könnte schneller, als ihm lieb ist, in der Notaufnahme landen.

Man muss nur einen Blick auf die zahlreichen Funktionen des Unicender werfen, der auf dem Bild zu sehen ist. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat und vor allem dann, wenn man bereits eine Reihe anderer technischer Geräte benutzt hat, geht alles recht leicht von der Hand. Neulinge wiederum sollten sich zuerst die Zähne an Klemmknotensystemen ausbeißen – und vor allem mit dem Rope Wrench von Kev Bingham üben. Eine wahre Offenbarung, wenn es darum geht, Last vom Knoten zu nehmen (so wie es tatsächlich jeder kompakte Multiscender tut) und so eine wesentlich leichtere Kontrolle ermöglicht.

Deutschland geht eigenen Weg

SpiderJack 2.1 mit DyneemaKit

Alle SpiderJacks besitzen eine Daumenbremse aus Pockholz am oberen Hebel – gut an der braunen Farbe zu erkennen. Der SpiderJack 2.1 im Bild ist außerdem mit dem DyneemaKit ausgestattet, einer Idee aus Australien. Es dient dazu, das andere Ende des Doppelseils zu befestigen und es so vom Anschlagpunkt am Gurt fernzuhalten. Außerdem erleichtert es einen Seilwechsel.

Außerhalb Deutschlands überwiegen Geräte mit Kettengliedern – denn das ist die primäre Art und Weise, in der Metall ähnlich wie ein Klemmknoten funktioniert. Der Unicender arbeitet mit Kettengliedern, ZigZag, Rope Runner und Bone ebenfalls, der Akimbo funktioniert ebenfalls auf ähnliche Art und Weise.

Angeführt von den raffinierten Metallkünstlern bei ART haben die Deutschen hingegen kontinuierlich den ursprünglichen RopeJack weiterentwickelt. Heute ist er das ausgeklügelste Gerät auf dem Markt und besser bekannt als SpiderJack. Zwar wirken sie auf den ersten Blick beängstigend komplex. Aber eigentlich sind alle vier aktuellen Geräte von ART recht unkomplizierte Modifikationen des ursprünglichen LockJack-Schließmechanismus – ergänzt durch verschiedene Griffe, Gehäuse und Dyneema (im Fall des SpiderJack 2.1).

ART: Effizienz par excellence

SpiderJack 3Ihre Funktion ist ebenso elegant wie ihr Design. Tatsächlich nehmen ART-Geräte Schlaffseil derart effizient auf, dass die neueste Version – der SpiderJack 3 – deshalb zusätzlich diesen schwarzen Hebel besitzt. Er soll nicht etwa unbeabsichtigtes Abrutschen verhindern. Denn das Gerät ist ebenso selbstblockierend wie alle anderen Hybriden dieses Guides. Er verhindert, dass Seil aufgenommen wird, während man sich in der Krone bewegt.

SpiderJack 3 DemoSelbst ohne Seilgewicht unterhalb des Geräts nimmt der SpiderJack das Seil äußerst effizient von alleine auf. Man bewegt an der gewünschten Arbeitsposition ein wenig die Hüften, um es etwas bequemer zu haben – nur um festzustellen, dass der SpiderJack das Seil bereits verkürzt hat und man sich nun leicht außerhalb seiner Position befindet! Daher auch der zusätzliche Schließmechanismus: Brillant, wenn man eine Zusatzfunktion einbauen muss, weil das eigene Gerät ZU effizient arbeitet.

Zusätzlich besitzt der SpiderJack 3 noch eine Rolle zur effizienteren Umlenkung des Seils, wenn man sich auf Ästen bewegt. Das Gerät lässt sich außerdem sowohl mit der linken, als auch mit der rechten Hand einfach bedienen.

Funktionsweise von Hybriden

Etwas, dass für ALLE Hybride gilt, ist, dass sie das Seil an irgendeiner Stelle zwischen zwei Metallteilen einklemmen müssen. Ob dabei einfach nur gepresst wird oder ob mit Hilfe von Klemmbacken oder beweglichen Kettengliedern, bei denen die Ausrichtung der Öffnung die Reibung bestimmt – immer sind unterschiedlich hohe Grade an Reibung innerhalb des Systems im Spiel, die sich wie folgt auswirken:

  1. wie gut funktioniert das Gerät für den Aufstieg und damit zusammenhängend …
  2. wie effizient verhindert es, dass das Seil hindurch rutscht
  3. wie stark verzeiht die Start-Stopp-Funktion Fehler
  4. wie leicht lässt sich zwischen beiden Modi wechseln

Holz als Geheimwaffe gegen Verschleiß

Die metallischen Bestandteile des bahnbrechenden SpiderJack schienen schneller als bei anderen Geräten zu verschleißen – fairerweise muss man anmerken, dass sie sehr leicht ersetzt werden konnten. Bei der zweiten Version tauchte dann diese Daumenbremse aus Holz auf (im Bild oben an der braunen Färbung zu erkennen), was zunächst seltsam wirkt. Es zeigt aber einfach, dass natürliche Materialien unschlagbar sind. In diesem Fall sorgt die zusätzliche Bremse aus robustem Hartholz nämlich dafür, dass die Klemmbacken im Geräteinneren nicht zu stark verschleißen.

Eigentlich kann man sogar sagen, dass das Holz die primäre Bremsfunktion übernimmt, da es der erste Kontaktpunkt zum Seil ist. Kletterer, die das Gerät beherrschen, können so die Bremswirkung stufenlos kontrollieren. Das ermöglicht spektakuläre ‚Flüge‘ von mehreren, wenn nicht gar dutzenden Metern.

Übung macht den Meister

Akimbo geöffnet

Den Akimbo zu befestigen, ist ähnlich, wie ein Gartenspalier zu öffnen. Man kann ihn überall am Seil montieren. Die Größe der Bremsbacke lässt sich sehr leicht für unterschiedliche Seile und Gewichte anpassen, ohne dass ein Werkzeug benötigt wird.

Geschicklichkeit ist der Schlüssel, dass der LockJack reibungslos funktioniert. Aber ZigZag und Akimbo scheinen einen viel sanfteren Übergang von Stillstand zu Bewegung (beim Abseilen) zu ermöglichen – deutlich geschmeidiger als bei Unicender und Rope Runner, die wesentlich gewöhnungsbedürftiger sind.

Das überrascht beim ZigZag nicht, da er mit dieser kurzen ‚Fahrradkette‘ von Anfang an für die DdRT entwickelt wurde. Aber der Akimbo funktioniert auf diese Art und Weise auch auf dem Einfachseil – und das ist wirklich vielversprechend. Außerdem rutscht man beim Akimbo während des Aufstiegs nur minimal zurück. Das ist beim Unicender ähnlich, viele andere Geräte haben damit aber zu kämpfen. Man kann sich zwar daran gewöhnen, aber besser ist es natürlich, wenn es nur minimal auftritt.

Der Abstiegsmodus ist bei den meisten dieser Geräte ziemlich offensichtlich. Man könnte sie leicht als Abseilgerät verkaufen. Aber eigentlich ist es die Tatsache, dass sie einen effizienten Aufstieg ermöglichen oder viel eher ihre Fähigkeit, effizient am Seil zu greifen, was sie von anderen Geräten unterscheidet.

Einige SRT-Geräte wie der Akimbo besitzen eine Aufnahme speziell für die Befestigung am Brustgurt oder der Halsschlaufe. Der Rope Runner bietet eine ähnliche, eigens zu diesem Zweck konzipierte Möglichkeit zum Einhängen. Auch mit dem Bone geht das dank einer kurzen Bandschlinge oder mit Hilfe der mittleren, integrierten Aufnahme.

Unterschied zu selbstblockierenden Abseilgeräten

Wie bereits erwähnt, ist der Aufstieg über die Footlock-Technik möglich: Man beginnt mit gebeugten Knien und klemmt das Seil zwischen den Füßen ein. Streckt man dann die Knie, so dass man auf dem eingeklemmten Seil steht, wird das Gerät entweder nach oben geschoben oder mitgezogen. Das funktionert NICHT mit einem selbstblockierenden Abseilgerät wie dem GriGri oder TAZ Lov2. Denn hier muss das Seil aktiv durch das Gerät gezogen werden. Genau das ist es, was diese Baumpflege-Hybride auszeichnet.

Treppenaufstieg mit Multiscender

Der Treppenaufstieg am Einfachseil mit Fußsteigklemme und Kniesteigklemme ist natürlich weitaus effizienter. Dabei sichert der Hybrid oben den Fortschritt am Seil, während Fuß und/oder Knie für einen nahezu mühelosen Aufstieg sorgen. „Mühelos“ – das wünschte ich mir. In meinem Alter ist es eher so, als würde man einem kletternden Walross zusehen. Aber trotzdem ist es noch Klettern.

Auf jeden Fall wird das Gerät zusätzlich mit einem Hilfsmittel an Brust oder Nacken oder mit einem Schulter-Stropp verbunden. So wird es ganz einfach nach oben gezogen, wenn man sich mit Hilfe der Fuß- und/oder Kniesteigklemme aufrichtet. Dadurch wird es überflüssig, den Multiscender per Hand am Seil hochzuschieben und man kann mehr Kraft in den Aufstieg selbst legen. Die Beine sind wesentlich stärker als die Arme. Im Gegensatz zu traditionellen Aufstiegssystemen nimmt dieser Aufbau mit Multiscender die Belastung von den Armen. Man benötigt sie nur noch, um am Seil die Balance zu halten.

Tatsächlich können die meisten Kletterer nicht widerstehen und ziehen sich auch mit den Armen nach oben, um schneller zu sein. Aber bei den effizienteren Systemen ist das nicht nötig. Einige dieser Geräte allerdings – insbesondere Rope Runner und Unicender – sorgen aufgrund der vielen Seilkontakte für eine gewisse Reibung. Hier kann man während des Aufstiegs also durchaus von der zusätzlichen Armdistanz profitieren.

Zwei Tipps zum Schluss

  1. Wichtig ist, dass es bei diesen Baumkletter-Multiscendern im Gegensatz zu herkömmlichen SRT-Abseilgeräten im Abstiegsmodus keine Anti-Panik-Funktion gibt. Außerdem funktioniert das Bremsseil nicht auf die gleiche Art und Weise. Die offene Bauweise der Seilklemme sorgt dafür, dass im Idealfall praktisch keine Reibung auftritt. Um einen versehentlichen, unerwarteten freien Fall zu verhindern, ist die übliche Hand am Bremsseil hier recht ineffektiv.

    Deswegen ist auch nur bei wenigen Geräten eine maximale Bruchlast angeben: Die Geräte würden eher abrutschen, als brechen. Das ist besonders gut an LockJack und SpiderJack zu erkennen, bei denen das gesamte Körpergewicht benötigt wird, um auszulösen. Wenn man das Gewicht also verringert, in dem man ins Seil greift, wird die Bremse kontinuierlich rutschen. Das ist kein Problem. Es ist lediglich eine Eigenart, an die man sich gewöhnen muss, wenn man diese Art von Gerät verwendet. Diejenigen, die an Abseilgeräte mit Klemme oder Seilscheiben gewöhnt sind, werden sich etwas umstellen müssen.

  2. Ein neues Gerät sollte immer am eigenen Seil ausprobiert werden, BEVOR man damit auf der nächsten Baustelle arbeitet. Jedes Gerät funktioniert auf verschiedenen Seilen unterschiedlich – manche sind weitaus wählerischer als andere. Tatsächlich machen manche wie der Rope Runner sogar bei der Seilkonstruktion – 24- oder 32-adrig – Unterschiede. Aber es gibt genug Varianten, was die Seilkonstruktion betrifft, um alles Mögliche auszuprobieren.

    Das bedeutet nicht, dass die Geräte schlecht sind. Vielmehr könnte es doch sein, dass die perfekte Verbindung eines Geräts mit einem bestimmten Seil das Beste ist, das auf dem Markt zu haben ist. Wie auch immer: Man sollte immer sicherstellen, dass man das eigene Seil zuerst in Sicherheit ausprobiert und es noch einmal überprüft, wenn man das Seil wechselt.

Auflistung aller Multiscender

Bulldog Bone

Das Bone wird noch nicht in Serie produziert, ist aber direkt vom Hersteller unter strengen Auflagen erhältlich.

In der Übersichts-Tabelle (PDF) sind die aktuellen Multiscender aus der Baumkletter-Szene aufgelistet. Wichtig: In Deutschland ist die Verwendung nicht zertifizierter Geräte gesetzlich verboten! Wir haben das BOLA – eine abgespeckte Version des Bone – eingefügt, obwohl es technisch gesehen ein Seilverkürzer ist (ebenso wie bei Zillon und ZigZag). Das liegt daran, dass es immer noch wie ein Multiscender funktioniert – wenn auch nur für die DdRT und mit größeren Einschränkungen als beim Bone. Dafür ist es aber sehr kompakt.

Wie immer bei diesen Ratgebern macht ein Haken in jedem Kästchen das Gerät nicht unbedingt zum Spitzenreiter. Das alte Sprichwort „Hansdampf in allen Gassen“ könnte durchaus zutreffen. Man sollte also sorgfältig auswählen, was am besten zu einem passt. Ratgeber wie dieser neigen dazu, die Auswahl auf die eigenen Bedürfnisse zu beschränken, anstatt das Beste und Schlechteste aufzuzeigen.

 

Arb Climber No. 10

Cover Arb Climber Magazin No. 10

Im Arb Climber Magazin dreht sich alles um Ausrüstung und Technik rund um die kletternde Baumpflege. Die fachlich sehr fundierten Artikel informieren den interessierten Baumkletterer regelmäßig über neue Produkte oder Techniken – veranschaulicht durch detaillierte Grafiken und Fotografien.

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