Aus der Praxis für die Praxis: Interview & Videos Tom Eckert

Letzte Woche war Tom Eckert, Baumpfleger und leidenschaftlicher Kletterer, bei uns im Laden tätig. Am Ende seiner Aus-der-Praxis-für-die-Praxis-Woche haben wir noch einmal nachgehakt, wie er zum Klettern gekommen ist und wie es ihm bei uns gefallen hat. Außerdem demonstriert er euch in einem Video die Rescue Banana und ihre verschiedenen Einsatzmöglichkeiten.

Interview mit Tom Eckert

Du kommst ja eigentlich aus dem Sportkletter-Bereich. Wann hat deine Leidenschaft und Begeisterung für’s Klettern angefangen?

Ich fing schon mit 12 Jahren mit dem Klettern an. Noch während meiner Schulzeit stand für mich fest, dass ich auch beruflich auf jeden Fall etwas mit Klettern machen möchte. Ich informierte mich dann entsprechend und stieß ziemlich schnell auf’s Industrieklettern. Nachdem ich bei einigen Firmen aus dem Bereich wegen Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten angefragt hatte, kam ziemlich schnell heraus, dass das ja kein richtiger Ausbildungsberuf ist. Mir wurde geraten, erst einmal eine handwerkliche Lehre zu machen und mich dann später auf’s Industrieklettern zu spezialisieren. Also, machte ich eine Lehre zum Zimmermann und im Anschluss FISAT Level 1 und Level 2.

Nachdem ich schon eine Weile als Industriekletterer gearbeitet hatte, nahm mich ein Freund, selbst Baumkletterer, mit auf eine Baumkletter-Baustelle. Dort stellte ich dann ziemlich schnell fest, dass mir das viel mehr Spaß macht als Industrieklettern.

Warum genau war das Baumklettern besser?

Es hat viel mehr mit Sportklettern, wo ich ja eigentlich zu Hause bin, zu tun. Beim Industrieklettern steigt man zum Beispiel oft von oben ein. Beim Baumklettern klettert man viel, viel mehr im eigentlichen Sinne. Und man klettert von unten nach oben …

Also, bist du im wahrsten Sinne im Baum hängen geblieben?

Ja, genau. Nach diesem Tag auf der Baustelle machte ich dann recht schnell meinen SKT A-Kurs. Mein Ausbilder damals war Jürgen Unger. Der entdeckte wohl irgendwie ein spezielles Talent für’s (Baum-)Klettern bei mir und fragte mich gleich, ob ich nicht bei einer seiner Baustellen mithelfen wolle. Die Ausbilder bei der Münchner Baumkletterschule (MBKS) sind ja hauptberuflich als Baumpfleger und Baumkletterer tätig. Ich war dann also gleich am Montag nach meinem SKT A Kurs mit Jürgen auf einer seiner Baustellen und arbeitete da für ihn als Baumkletterer. Sogar einen Gurt musste ich mir von Jürgen leihen, weil das so kurzfristig geklappt hatte. Mein Baumklettergurt kam nämlich erst am nächsten Tag.

Neben deiner beruflichen Begeisterung für’s Baumklettern gehst du in deiner Freizeit nach wie vor leidenschaftlich Sportklettern. Diese beiden Bereiche haben aber noch mehr Berühungspunkte in deinem Leben als oben bereits beschrieben, oder?

Das kann man tatsächlich so sagen. Ich würde jetzt zwar nicht sagen, dass ich der klassische Wettkampf-Typ bin. Aber Wettkämpfe haben für mich trotzdem schon immer irgendwie zum Klettern gehört. Früher habe ich an Sportkletter-Wettkämpfen teilgenommen. Nichts großes: bei den norddeutschen Meisterschaften, Landes- und Stadtmeisterschaften und einigen Boulder Cups.

Das hab ich dann auch mit ins Baumklettern genommen: Ich nehme regelmäßig an der Deutschen Baumklettermeisterschaft der ISA-Germany e. V. Und ich möchte mal behaupten, dass ich dabei gar nicht so schlecht abschneide. Dieses Jahr habe ich den 12. Platz erreicht. In meiner Paradedisziplin habe ich es sogar auf’s Siegertreppchen, auf den zweiten Platz, geschafft.

Deine Paradedisziplin?

Naja, der Speed Climb. Denn hier kommt mir das Sportklettern fast zu 100 % zu Gute. Da kann man sich nicht auf Seil und Gurt verlassen, sondern ist wie beim Sportklettern damit nur abgesichert. Beim Schnell-Klettern kommt es ganz alleine auf die eigenen Hände und Füße an.

Gibt es weitere Anknüpfungspunkte zwischen Sport- und Baumklettern? Also, kannst du Vorteile aus deiner Sportkletter-Begeisterung für deinen beruflichen Alltag ziehen?

Als Quereinsteiger fällt es einem am Anfang mit Sicherheit leichter, Vertrauen ins Material zu haben. Schließlich war ich das vom Sportklettern schon gewohnt. Für mich war das nichts Neues, mit Gurt, Seil und Klettergeräten umzugehen, wie es das vielleicht für Leute ist, die z. B. aus dem Galabau zum Baumklettern kommen. Auch die Vertrautheit mit der Höhe und die körperlichen Voraussetzungen waren schon vorhanden.

Aber manchmal ist das Sportklettern auch hinderlich: Man muss umdenken. Denn beim Baumklettern muss man wirklich mit dem Seil arbeiten und es immer unter Spannung halten. Beim Sportklettern dient das Seil ja nur zum Sichern und geklettert wird mit dem eigenen Körper.

Du hast bereits erwähnt, dass du deinen SKT A-Kurs bei der Münchner Baumkletterschule gemacht hast. Mittlerweile bist du dort selbst Ausbilder. Wie ist es dazu gekommen?

Naja, nach dem A-Kurs machte ich dort dann auch noch meinen B-Kurs. Jürgen Unger war wohl auch mit meiner Arbeit auf seiner Baustelle zufrieden, so dass ich gerade am Anfang häufig für ihn arbeitete. Dort hatte ich dann auch immer viel mit weiteren Ausbildern der Schule zu tun, die ebenfalls für oder mit Jürgen kletterten. Als dann mal wieder Ausbilder gesucht wurden, wurde ich auch gefragt, ob ich da nicht Lust drauf hätte. Die hatte ich und bewarb mich um die Stelle. Und, wie man sieht, hat das dann auch geklappt!

Apropos Ausbilder der MBKS: Die Rescue Banana ist ja unter anderem auch von MBKS-Ausbildern konzipiert worden. Du hast sie in deiner Woche bei uns in einem Video ausführlich vorgestellt. Warum bist du von dem Konzept überzeugt?

Meiner Meinung nach ist das ein gut durchdachtes Komplettset. Mit diesem System lassen sich alle möglichen Rettungsszenarien abdecken. Egal, ob Rettung im Außenastbereich, aus Steigeisen oder am Aufstiegsseil. Im Ernstfall ist man für jede Situation gut gerüstet. Trotzdem ist die Rettungsbanane ein schlankes System, das beim Klettern nicht weiter stört. Zusammengefasst eben ein Must-Have für sicheres Arbeiten!

Video: Tom Eckert und das Rescue Banana Rettungsset

Auch den Klettergurt Record von Skylotec hast du kurz per Video präsentiert. Was hat dir daran gefallen?

Wegen meinem Sportkletter-Hintergrund faszinieren mich schlanke, leichte Systeme wie der Record, der ja wirklich sehr, sehr leicht ist. Genau deswegen ist er perfekt für Arbeits- und Kletter-Situationen geeignet, in denen man nicht die ganze Zeit im Baum ist – und die Ausrüstung zusätzlich auch noch längere Strecken tragen muss. Da fallen mir jetzt spontan Geocacher oder Forscher ein, die ja oft in schwer zugänglichen Gebieten unterwegs sind.

Aber auch beim Obstbaumschnitt ist er der ideale Begleiter. Dort hat man ja kleinere Bäume und steht oft mehr, als dass man im Gurt hängt. Und da der Record recht schlank ist, stört er weniger als größere Gurte.

Beim Industrieklettern eignet er sich für Arbeitseinsätze, bei denen man häufig den Standort wechseln muss. Und natürlich in Klettergärten, wo der Gurt ja nur zur Sicherung dient und er sonst eigentlich unbemerkt bleiben sollte. Da ist der Record echt ideal, da er sich im Gegensatz zu normalen Sportklettergurten zum Auffanggurt nachrüsten lässt.

Video: Tom Eckert zum Klettergurt Record von Skylotec

Zum Schluss noch eine letzte Frage: Wie hat es dir insgesamt beim Freeworker gefallen? Würdest du wieder kommen? Oder hast du jetzt erstmal genug vom Verkaufen?

Ich fand es echt sehr interessant, auch mal hinter die Kulissen zu schauen und mal auf der anderen Seite zu stehen. Sonst bin ich ja auch nur als Kunde beim Freeworker unterwegs. Außerdem war die Woche auch sehr, sehr informativ für mich. Denn häufig wissen die Berater Dinge, die wir Ausbilder und Praktiker nicht wissen. Umgekehrt konnte ich aber auch aus meiner Praxis und meinem beruflichen Alltag einiges miteinfließen lassen. So konnten wir gegenseitig voneinander lernen. Und ich persönlich finde, dass regelmäßiger Wissensaustausch gerade in unserer Branche sehr wichtig ist. Ich komme gerne wieder – wenn ich darf.

» Einen wirklich spannenden Bericht von Tom zu seinem Auslandseinsatz in Saudi Arabien findet ihr im Kletterblatt 2014.

Kleiner Hinweis zum Schluss

Die nächste Aus-der-Praxis-für-die-Praxis-Woche findet voraussichtlich von 2. bis 6. November 2015 statt: Diesmal wird Manuel Schuster unsere Verkaufs-Team unterstützen. Er ist schon zum zweiten Mal bei uns.

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