Waffengesetz: Einhandmesser und Multitools verboten?

Waffengesetz: Einhandmesser und Multitools verboten?Laut aktuellem Waffenrecht (WaffG § 42a) dürfen sogenannte Einhandmesser – also Messer mit einhändig feststellbarer Klinge – nicht geführt werden. Auch die sehr beliebten Multitools wie z. B. das Skeletool von Leatherman fallen in diese Kategorie. Denn Gegenstände, die über eine einhändig aufklappbare und feststellbare Klinge verfügen, werden von den Behörden als Einhandmesser klassifiziert.

Führen von Multitools inzwischen verboten

Skeletool von LeathermanZwar wurden Multitools in der Vergangenheit von Polizei und Gesetzgeber nicht weiter beanstandet. Doch das hat sich in der letzten Zeit geändert. Mittlerweile werden diese äußerst praktischen und deshalb sehr beliebten Werkzeuge immer häufiger bei Kontrollen sichergestellt – und der Besitzer angezeigt. Diese Entwicklung, die zunächst nur in einem Bundesland begonnen hat, hat sich inzwischen nahezu auf die gesamte Bundesrepublik ausgeweitet.

Im schlimmsten Fall ein teurer Spaß

Die Multitools, die dank ihrer sehr unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten häufig am Gurt oder Rucksack getragen werden, können so schnell zur Falle werden. Denn auch hier gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht! Laut Waffengesetz (WaffG), § 42a, Absatz 2, Satz 1 Nr. 3 ist es untersagt, diese mit sich zu führen – wenn eine einhändig feststellbare Klinge integriert ist. Multitools und alle anderen Messer, die diese Bedingung erfüllen, dürfen in der Öffentlichkeit also nicht herumgetragen werden.

Ropetooth von EdelridGenauer gesagt, dürfen Einhandmesser außerhalb des eigenen befriedeten Grundstücks, der eigenen Wohnung oder der eigenen Geschäftsräume nicht ungeschützt mitgeführt werden. Die Länge der Klinge ist in diesem Fall egal. Sie spielt nur bei feststehenden Messern eine Rolle (hier fallen Klingen mit einer Länge von mehr als 12 Zentimetern unter das Waffengesetz). Ein Verstoß gegen das Führverbot zählt als Ordnungswidrigkeit – und kann mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro und Einziehung des Gegenstands geahndet werden.

Die berühmte Ausnahme von der Regel

Das Waffengesetz sieht bestimmte Ausnahmen von diesem Verbot vor. Und zwar dann, wenn ein berechtigtes Interesse am Führen eines Einhandmessers wie dem Ropetooth von Edelrid besteht. Dies liegt u. a. vor, wenn das Messer im Zusammenhang mit der Berufsausübung mitgeführt wird (WaffG, § 42a, Absatz 3, Satz 1).

Ropetooth am Baumklettergurt für RettungDie für die Baumpflege und das Baumklettern zuständige Berufsgenossenschaft SVLFG schreibt in der Unfallverhütungsvorschrift VSG 4.2 folgendes vor: „Zur Rettung des Kletterers muss eine zweite Person mit Ausrüstung gemäß Punkt 6 (inklusive eines zum Durchtrennen des Seiles geeigneten Werkzeuges) vor Ort sein“ (SVLFG, VSG 4.2 (PDF), Anhang 1, Absatz 7, Satz 4). Es ist somit vorgeschrieben, ein Rettungsmesser oder eine Rettungsschere bei der Arbeit im Baum dabei zu haben.

Die berüchtigten Ausnahmen von der Ausnahme?

Wird das Messer oder Multitool auf der Baustelle o. ä. mit sich geführt, dürfte es also eigentlich keine Probleme geben. Doch Vorsicht: Auch hier lauern Stolpersteine! Denn leider gibt es keine genauere, allgemein verbindliche Definition, wann das Führen nun im Zusammenhang mit der Berufsausübung steht. Die Auslegung liegt im Ermessen des jeweiligen Bundeslandes und vermutlich am Ende im Ermessen des kontrollierenden Beamten.

VorhängeschlossSo ist das Führen auf dem Nachhauseweg zum Beispiel nach wie vor verboten. Und auch auf dem Weg von einer zur anderen Baustelle oder in öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Ausnahmegrund schon mehrfach hinterfragt worden. Im Zweifelsfall sollte man Einhandmesser also nur in abgeschlossenen Behältnissen transportieren – sobald man die Baumpflege- und Baumkletterarbeiten beendet hat und das Messer nicht mehr benötigt.

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5 Replies to “Waffengesetz: Einhandmesser und Multitools verboten?”

  1. Vorsicht!!! Demnächst wird die Big Shot als Schusswaffe eingestuft.
    Aber mal im Ernst, das ganze Waffengesetz in Deutschland wird immer absurder, während in Amerika mit legalen Waffen Menschen erschossen werden.

  2. Die oben von Andreas angesprochenen Handsägen sind Werkzeuge und keine Messer. Sie sind daher waffenrechtlich ohne Bedeutung. Ich bin auch der Meinung, dass eine Klinge aus einer Zange noch kein Messer macht – und daher der § 42 a WaffG nicht auf Multitools anwendbar ist.
    Bei genauerem Hinschauen hat der § 42a WaffG eh schwere handwerkliche Mängel, da die dort genannten Messer gar nicht dem Waffenrecht unterfallen.

    Näheres habe ich hier mal versucht in verständlicher Form zusammenzufassen:
    http://www.rechtsanwalt-mettke.eu/sind-multitools-einhandmesser.55.de.html

    Gruß
    Elmar

    1. Waffen sind aber generell auch “nur” Werkzeuge !
      Die Fritzen in der Waffenkammer der GSG 9 z.B. sind Werkzeugmachermeister !
      Daher sind meiner Meinung nach nur großkalibrige Schusswaffen und Säbel als Kriegswerkzeuge (Streitwerkzeuge) zu bezeichnen. Wie es sich da mit einer normalen Forstaxt (oder gar einer sog. Timbersportaxt) verhält, weiß ich auch nicht so genau. Oder diese schönen kleinen Handbeile !?
      Es gibt ja sogar Menschen, die sich selbst als Waffe verstehen (Kampfschwimmer z.B.).
      Also dieser Begriff “Waffe” ist ein wohl doch ziemlich schwierich zu definierender Begriff !
      Und wenn man da jetzt auch noch das Waffenverständnis von diesen IS-Leuten betrachtet… :-/

  3. Ich hab mal nen Kontaktbeamten der Münchner Polizei gefragt, wie es denn um meine Fiskars Machete steht. Er meinte, daß die nicht unter das Waffengesetz fällt, da es ja “offensichtlich Werkzeug” ist. Demnach kann ich es einfach so im Auto rumfahren ohne irgendeiner Beanstandung. Wenn das mal kein langes Messer ist, weiß ich auch nicht was dann. Bissl absurd das WaffG.

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