Deutschlandstipendium – Freeworker 17/18 wieder dabei

Schon zum dritten Mal seit Oktober 2015 fördert Freeworker – gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung – einen jungen talentierten Studenten der Arboristik an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen.

2017/2018 unterstützen wir zwei Semester lang Johannes Hertzler bei seinem Studium im Rahmen des Deutschlandstipendiums. Wir haben uns mit ihm über Studium und Baumpflege unterhalten.

Hallo Johannes, du bist jetzt unser dritter Stipendiat. Wie hilfreich ist die Unterstützung für einen Studenten der Arboristik?

Deutschlandstipendium Nr. 3: Johannes HertzlerDas ist eine riesengroße Erleichterung für mich, da ich ohne Bafög studiere. Ich finanziere mir mein Studium im Wesentlichen selbst und freu mich riesig, dass Freeworker mich mit dem Stipendium für 11 Monate unterstützt. Neben meinem klassischen studentischen Nebenjob in der Uni-Bibliothek bin ich mit anderen Kommilitonen und Göttinger Baumpflegern vernetzt. Zunehmend verdiene ich mir damit mein Geld für das Studium und genieße es, dafür in die Bäume zu klettern. Eine optimale Kombination aus Hörsaal-Wissen und praktischer Erfahrung im Baum.

Dennoch bleibt es natürlich phasenweise sehr stressig, Arbeit, Studium und Familie unter einen Hut zu bringen. Die 400 km zwischen Heimat und Göttingen, die meine Beziehung zu einer Fernbeziehung machen, sind eine zusätzliche Belastung. Deshalb bin ich für das Stipendium überaus dankbar, erlaubt es mir doch, ein wenig sorgenfreier und entspannter zu studieren.

Baumpfleger sind aus besonderem Holz geschnitzt und kommen oft aus ganz anderen Bereichen. Auf welchem Weg bist du zu Baumklettern und Baumpflege gekommen?

Mein Weg zur Baumpflege war kein direkter. Wobei Holz schon ein wiederkehrendes Thema ist, denn ich habe eine Lehre als Tischler genossen. Der Umgang und das Schaffen mit Holz faszinierten mich – eine Faszination, welche ich bis heute teile. Sie schlägt sich unter anderem in meinen Hobbies Messermachen und Schnitzen nieder. Problematisch war für mich in der Tischlerei allerdings die berufstypische Belastung der Atemwege, weshalb ich mich um- und weiterorientierte.

Ich war bereits in eine andere Richtung unterwegs, als ich das Buch “Die roten Riesen” von Richard Preston las. Dieses Buch war der kleine Stein, der weite Kreise zieht, wenn er ins Wasser fällt. Es portraitiert die Entdeckung, Erforschung und das Beklettern der größten Küstenmammutbäume Kaliforniens. Hier las ich von der Seilklettertechnik, von Baumpflegern und von der wissenschaftlichen Perspektive auf Bäume. All das zog mich in seinen Bann und eine Idee war im Kopf fixiert.

Ein neuer Berufswunsch war geboren. Hattest du bereits eigene Erfahrungen, die du mit auf deinen neuen Weg nehmen konntest?

Johannes Hertzler im BaumAls passionierter Felskletterer, der sich hingebungsvoll mit Knoten beschäftigt, war die Seilklettertechnik ein gefundenes Fressen für mich. Der wissenschaftliche Blick auf Bäume faszinierte mich und befeuerte meinen Bezug zum Grünen. Dieser ist bei mir bereits früh angelegt worden, als ich auf einem kleinen Hof quasi mitten im Wald aufgewachsen bin.

Wie sieht es aus mit den klassischen Einsteigerkursen wie SKT-A? Hast du da vor oder während dem Studium einige Kurse belegt?

Meinen A-Kurs hatte ich bereits vor dem Studium gemacht. Das war eine tolle Woche mit einer tollen Gruppe gewesen und hat mich darin bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein. Der B-Kurs wird hoffentlich in den nächsten Monaten zustande kommen. Spleißen ist auch noch etwas, was ich unbedingt lernen will.

Es gibt ja viele Möglichkeiten, sich in der Baumpflege weiterzubilden. Du hast ein Studium gewählt. Was sind deine Gründe für diesen Weg?

Arbeiten und Klettern im Baum war von Anfang an eine Sache, bei der ich mit Herz und Seele dabei war. Schnell erkannte ich, dass ich so viel wie möglich über Baumpflege wissen möchte. Wenn ich einen Baum pflege oder untersuche, soll mein Handeln mit den biologischen Zusammenhängen im Einklang stehen. Dies führte mich nach Göttingen an die HAWK und in den Studiengang Arboristik. Ein Schritt, mit dem ich sehr glücklich bin. Mir war und ist es stets wichtig, etwas sowohl mit Überzeugung, als auch mit Freude zu tun. In dieser Richtung bin ich mit meinem Studium und der Baumpflege gerade sehr gut unterwegs.

Das Studium der Arboristik in Göttingen ist einmalig in Deutschland. Kannst du uns ein wenig mehr darüber erzählen?

Es handelt sich um einen Bachelor-Studiengang mit einer Regelstudienzeit von sechs Semestern. Was vielleicht manchmal nicht ganz klar ist: Klettern ist kein obligater Bestandteil des Studiums. Man kann es absolvieren und auch danach in entsprechenden Bereichen arbeiten, ohne Seil oder Säge in die Hand zu nehmen. Seit dem Wintersemester 2017/2018 gibt es an der HAWK auch mit dem Master-Studiengang „Urbanes Baum- und Waldmanagement“ eine gute Option, um in diesem Bereich weiter zu studieren.

Ein Studium ist komplex und umfasst viele Aspekte. Gibt es Themen und Bereiche, die dir besonders Spaß machen?

Welche Themenbereiche mir jetzt im Studium am meisten Freude machen, lässt sich gar nicht so leicht sagen. Alles rund um Baumbiologie, -statik und Gehölzpathologie ist sehr spannend. Jedoch bin ich sehr dankbar für jeden Einblick in verschiedenste Themenbereiche wie Planung, Recht und Wirtschaft. Dieser recht breit gefächerte Aufbau des Studiums kommt mir entgegen.

Wahrscheinlich ist es zu früh, um zu fragen, wo du deine Zukunft siehst. Oder gibt es schon konkrete Pläne für die Zeit nach dem Studium?

Stimmt. Wo die Reise nach dem Studium hingeht, ist noch ziemlich offen. Das Thema Baum – vor allem der Stadtbaum – bietet einfach viele interessante Aspekte. Ich sammle jetzt im Praktikum beim Garten- und Friedhofsamt der Stadt Pirmasens weitere Erfahrungen bezüglich des kommunalen Baum-Managements und werde dann schauen, wo ich meine Interessen am besten gebündelt kriege.

Herzlichen Dank für deine Antworten und viel Erfolg beim Studium.

Nun, ich danke Euch für die Unterstützung und vor allem danke ich auch all den feinen Menschen, mit denen ich zusammen studieren darf! Ohne gutes Umfeld wird Erfolg schwierig, das ist wie bei den Bäumen.


Die Freeworker-Stipendiaten

Freeworker-Stipendiat 2018/19 Jan Tausendfreund
Freeworker-Stipendiat 2016/17 Pit Schumacher
Freeworker-Stipendiat 2015/16 Pascal Wörmann


 

Wir freuen uns, zukünftige Arboristen auf ihrem Weg zu unterstützen zu können!

Deutschlandstipendium 2016/2017

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2 Replies to “Deutschlandstipendium – Freeworker 17/18 wieder dabei”

  1. “Ohne gutes Umfeld wird Erfolg schwierig, das ist wie bei den Bäumen.”

    Damit hat er ja schon bereits etwa die Hälfte seines Studiums verstanden – würde ich sagen ! 🙂
    Meinen Glückwunsch, aus Berlin.

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