Baumkletter-Weltmeisterschaft 2017: Eva-Maria Mauz im Gespräch

Vor den Weltmeisterschaften im Baumklettern 2017 haben wir nicht nur mit dem Deutschen Meister 2017 Fafa Weber, sondern auch mit der Deutschen Meisterin Eva-Maria Mauz über ihre Teilnahme gesprochen. Welche Erwartungen hat sie an das Event in Washington, wie denkt sie über die neue Teildisziplin Ascent und wie lief ihre Vorbereitung.

Hallo Eva, die Weltmeisterschaft im Baumklettern 2017 steht vor der Tür. Wie aufgeregt bist du vor diesem großen Event?

Momentan bin ich gerade noch viel zu beschäftigt, um aufgeregt zu sein. Das kommt aber garantiert, spätestens wenn ich in Washington auf der Meisterschaft bin.

Eine nicht optimale Vorbereitung

Eva beim Masters auf der Deutschen Meisterschaft 2017Bereitest du dich speziell auf die WM vor? Vielleicht ein kleines Trainingslager, bevor der Flieger nach Washington geht?

Leider verging die Zeit seit den Deutschen Meisterschaften mit der darauf beruhenden Qualifizierung zur WM ziemlich schnell und diverse körperliche Gebrechen haben mich von einer intensiveren Vorbereitung abgehalten. Insofern mache ich momentan so viel es geht Last-Minute-Training. Zuletzt war ich zum Beispiel an meiner Lieblingsbuche in Unterbrunn und habe ein bisschen für den WorkClimb trainiert.

Bei der WM wird die Teildisziplin Footlock durch das Ascent-Event ersetzt. Jetzt zählt nicht mehr nur der reine Aufstieg, sondern auch die Vorbereitung. Was denkst du über die neue Disziplin und hast du schon geübt?

Ich finde es ehrlich gesagt sehr schade, dass der Footlock abgeschafft wurde. Er war die einzige Disziplin, die man mit exakten Vorgaben und mit denselben Gegebenheiten wie im Wettkampf trainieren konnte. Außerdem ist Footlock eine essenzielle Technik, für die ein Kletterer nur minimales Equipment braucht und die jeder beherrschen sollte. Beispielsweise um eine Rettung durchzuführen, wenn einmal nicht die Vollausstattung zur Verfügung steht. Beim neuen Ascent Event bekommt der Teilnehmer viele Punkte, wenn er das neueste/beste und meistens auch teuerste Material nutzt.

Seit Tagen übe ich ständig mit meinem LOV2: Auch blind und im Dunkeln, um es möglichst schnell einzubauen. Klappt leider noch nicht perfekt und schon gar nicht, wenn ich nervös bin.

Du warst die Tage einige Male bei uns im Shop in St. Gilgen. Sicherlich nicht nur wegen einem Kaffee?

Nein, ich hab eine neue Fußsteigklemme für den Ascent benötigt. Meine Alte braucht nämlich einen Karabiner als Sperre und den einzubauen, kostet etwa drei Sekunden.

Ein Wurfgewicht als Glücksbringer

Eva beim Masters auf der Deutschen Meisterschaft 2017Auf welche Ausrüstung setzt du beim Klettern? Gibt es Lieblingsstücke die niemals fehlen dürfen?

Die gibt es zwar, aber in geringem Umfang. Ich versuche eigentlich immer flexibel zu sein und möglichst wenig am Gurt zu haben. Ich nehme auch mal absichtlich nicht alles mit zur Baustelle, um Neues zu probieren, beziehungsweise zu improvisieren. Wer sich nicht aus seinem Komfortbereich heraus wagt, wird auch nur begrenzt besser. Was ich aber immer am Gurt habe, ist ein selbstgebasteltes Wurfgewicht zum Vorwerfen beim Wechselaufstieg. Im Masters der Süddeutschen Meisterschaft 2017 hatte ich es vergessen und prompt hab ich das Masters verhunzt.

Für die Meisterschaften bist du viel unterwegs. Als Deutsche Meisterin jetzt sogar weltweit. Wie passen da Beruf und Meisterschaften unter einen Hut?

Letztendlich ist es gut, dass die Meisterschaften nur im Sommer sind. Da ist es meistens ein bisschen ruhiger als im Herbst/Winter. Zurzeit bin ich ziemlich viel unterwegs und mehr oder weniger nur zum Wäsche waschen daheim. Ich freue mich gerade sehr darauf, nach der WM ein bisschen zu entspannen.

Wenn du schon einmal unterwegs bist: Nutzt du die Chance für einen kleinen Urlaub, Land und Leute kennenlernen?

Urlaub: ja, Leute kennenlernen: weniger. Wir fliegen nach der Weltmeisterschaft weiter nach Vermont und verschwinden dann für fünf Wochen in den Wald auf einen Fernwanderweg. Am besten kann ich entspannen, wenn ich acht Stunden am Tag in der Einsamkeit mit einem Rucksack auf dem Buckel einem Trampelpfad folge.

Der Spaß steht im Vordergrund

Wir drücken die Daumen, dass es in Washington hoch hinaus geht!Zum Schluss noch die wichtigste Frage: Was erwartest du dir von der Weltmeisterschaft? Was ist ein realistisches Ziel?

Ehrlich gesagt sind meine Erwartungen, dass ich auf der Weltmeisterschaft Spaß habe, und neue Leute kennenlerne. Ich finde es total aufregend, dass ich mal mit den Mädels klettern kann, die ich bewundere, seit ich selber klettere und die ich fast nur aus Youtube-Videos kenne. Das ist für mich eine große Ehre. Da ich leider gesundheitlich nicht so trainieren konnte, wie ich es gerne wollte, gehe ich bei der WM auf Sparflamme an den Start. Wir werden sehen, für was eine Platzierung das letztendlich reicht.

Herzlichen Dank für das Interview, Eva! Freeworker und viele andere Baumkletterer drücken dir fest die Daumen und wünschen dir viel Erfolg auf den Weltmeisterschaften 2017.

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