Wundversorgung und Blutstillung bei Unfällen im Baum

Während man im Baum klettert, geht man davon aus, dass der Ernstfall nicht eintreten wird. Schließlich ist man gut gesichert und weiß, worauf man beim Umgang mit seinem Handwerkszeug achten muss. Und doch lässt sich das Risiko für Unfälle dadurch nur auf ein Minimum reduzieren – ganz verhindern kann man sie leider nicht. Gerade beim Umgang mit der Säge passieren regelmäßig Unfälle, die zu blutenden Verletzungen führen. Wie verhält man sich in diesem Fall – auch als zweiter Mann vor Ort – richtig?

Versorgung blutender Wunden

Bei einer blutenden, äußeren Verletzung reicht es meist aus, diese steril mit einem Pflaster abzudecken – oder mit einer Kompresse, die mit Mullbinde oder Heftstreifen fixiert wird. Ist der Blutverlust stärker oder lässt die Blutung nicht nach, ist ein Druckverband notwendig: entweder klassisch mit Wundauflage und Verbandpäckchen oder mit speziellen Druckverbandpäckchen aus dem militärischen Bereich. Letztere bieten bei der Anwendung oben im Baum viele Vorteile.

Wenn die Blutung noch immer nicht gestillt ist, ist der nächste Schritt, die entsprechende Schlagader abzudrücken. Ist einer der Arme verletzt, drückt ihr die Armschlagader in der Achsel ab. Ist ein Fuß oder Bein betroffen, findet ihr die Beinschlagader in der Leiste. Das Abdrücken ist sehr kraftaufwändig, aber dennoch der nachfolgenden Maßnahme vorzuziehen.

Erste Hilfe bei blutenden Wunden

Abbinden: Schlechte oder gute Idee?

Doch was passiert, wenn weder Druckverband noch Abdrücken helfen, weil die Wunde zu groß ist? Lange ist auf Erste-Hilfe- und Rettungskursen gelehrt worden, dass das Abbinden im Umgang mit größeren, stark blutenden Wunden keine adäquate Maßnahme sei. Denn im Zweifelsfall wird dadurch noch mehr Gewebe u. ä. zerstört, was bis zur Amputation der abgebundenen Gliedmaßen führen kann. Entgegen der landläufigen Meinung ist das Abbinden einer größeren Wunde aber mittlerweile anerkannt – unter bestimmten Voraussetzungen.

Abbinden nur im Ausnahmefall

Das allerwichtigste zuerst: Abbinden ist eine Sondermaßnahme! Setzt es nur dann ein, wenn andere Maßnahmen nicht mehr greifen: Wenn z. B. wie oben beschrieben ein Druckverband die Blutung nicht stillt, da die Wunde zu groß ist. Dieses Szenario ist bei Arbeiten mit der Motorsäge und ähnlichem Gerät durchaus nicht unwahrscheinlich.

Auf keinen Fall mit Seilen abbinden

Außerdem dürft ihr auf gar keinen Fall mit ungeeigneten Hilfsmitteln abbinden. Denn genau diese ‚Techniken‘ sind der Grund, weshalb lange vom Abbinden abgeraten wurde. Bindet ihr z. B. mit Seilen, Kabelbindern, Draht – oder ähnlichem, was auf der Baustelle herumliegt – ab, quetscht oder zerstört dies Nerven etc. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass die betroffene Gliedmaße wie oben angemerkt amputiert werden muss.

Hilfsmittel zum Abbinden: Tourniquet

SOF Tactical TourniquetDoch womit dann am besten abbinden? Mit Hilfe eines sogenannten Tourniquets wird der Blutfluss im betroffenen Körperteil gestaut bzw. unterbunden, um einen bedrohlichen Blutverlust zu verhindern. Soweit so gut, denn das erreicht auch Abbinden mit anderen Hilfsmitteln. Im Gegensatz zu Draht oder Kabelbindern hat das Tourniquet aber eine breite Auflagefläche und schneidet so nicht in die Haut ein. Bei richtiger Anwendung provoziert dies keine weiteren Verletzungen und zerstört keine Nerven und Blutgefäße.

Im Idealfall – vor allem wenn ihr in abgelegen Gebieten arbeitet – notiert ihr auch die Zeit, zu der ihr das Tourniquet angelegt habt, auf dem entsprechenden Etikett. Das ist eine sehr wichtige Information für den Rettungsdienst beim Lösen der Abbindung.

Natürlich hoffen wir, dass euch der Ernstfall nicht treffen wird. Dennoch ist es wichtig, gut vorbereitet zu sein. Besonders der richtige Umgang mit dem Tourniquet muss geschult und geübt werden. Nur dann handelt ihr entsprechend schnell, wenn doch einmal ein Unfall passiert. Speziell auf die Rettung bei der Seilklettertechnik ausgerichtete Erste-Hilfe-Auffrischungskurse bietet z. B. die Münchner Baumkletterschule im Rahmen des Climb-Update® an.

Weitere Informationen:

  • Eine Zusammenfassung, was im Umgang mit stark blutenden Wunden (PDF) zu beachten ist, findet ihr bei der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung), dem Dachverband der Berufsgenossenschaften.
  • Weitere Hilfsmittel und Ausrüstung rund um die Erste Hilfe im Ernstfall findet ihr natürlich auch bei uns im Shop.
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