Kletterhelme: Was gilt es zu beachten?

Beim Baumklettern steht neben der baumschonenden Technik besonders der Schutz des Kletterers selbst im Vordergrund. Deshalb muss die Ausrüstung einige Anforderungen erfüllen, um die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit zu gewährleisten. Zu dieser sogenannten Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) zählt unter anderem auch ein geeigneter Schutzhelm. Im Folgenden haben wir für euch die wichtigsten Fakten rund um Kletterhelme zusammengefasst.

SVLFG gibt vor, welche Helme benutzt werden dürfen

Welche PSA genau bei Anwendung der Seilklettertechnik (SKT) im Baum benötigt wird, legt die zuständige Berufsgenossenschaft fest. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat alles Wissenswerte diesbezüglich im Merkblatt B09 „Seilklettertechnik im Gartenbau“ (PDF) ab Seite 5 zusammengefasst.

Speziell zu Schutzhelmen schreibt die SVLFG vor, dass ein geeigneter Helm mit Kinnriemen verwendet werden muss. Dort heißt es: „Schutzhelm nach EN 12492 (Bergsporthelm) oder alternativ nach EN 397 oder EN 14052 (wenn eine entsprechend geprüfte und geeignete Kinnberiemung vorhanden ist)“ (SVLFG, B09, S. 5). Für Kletterhelme im Bereich des Baumkletterns sind also die Normen EN 397 für Industrieschutzhelme, EN 12492 für Bergsteigerhelme oder EN 14052 für Hochleistungs-Industrieschutzhelme entscheidend.

EN 397: Industrieschutzhelme

Industrieschutzhelme nach EN 397 müssen den Träger in erster Linie vor fallenden Gegenständen und deren Konsequenzen bewahren – z. B. vor Gehirnverletzungen oder Schädelbrüchen. Außerdem muss der Helm auch gegen seitliche Verformung abgesichert sein. Das soll den Träger zusätzlich vor gefährlichen Kopfverletzungen schützen.

Folgende Anforderungen müssen Helme erfüllen, wenn sie nach EN 397 zertifiziert sind:

  • Vertikale Stoßdämpfung muss vorhanden sein.
  • Sie müssen eine gewisse Durchdringungsfestigkeit gegenüber spitzen und scharfen Gegenständen aufweisen.
  • Zusätzlich benötigen sie einen Kinnriemen, der bei minimal 150 N und maximal 250 N auslöst – bzw. eine Vorrichtung zur Befestigung eines entsprechenden Kinnriemens.
  • Sie müssen flammbeständig sein.

EN 14052: Hochleistungs-Industrieschutzhelme

Entspricht ein Helm den Anforderungen der EN 14052, muss er dem Träger Schutz vor fallenden Gegenständen und seitlichem Aufprall bieten – und ihn vor daraus resultierenden Verletzungen wie Gehirnverletzungen, Schädelbrüchen oder Nackenschäden bewahren.

Um als Hochleistungs-Industrieschutzhelm nach EN 14052 zertifiziert zu werden, gelten folgenden Anforderungen an den Helm:

  • Sie müssen eine vertikale und laterale Stoßdämpfung aufweisen.
  • Außerdem müssen die Helme vertikal und lateral eine gewisse Durchdringungsfestigkeit besitzen.
  • Der Kinnriemen gibt bei min. 150 N und max. 250 N nach und muss dafür sorgen, dass der Helm sich bei der Stoßdämpfungs- und Durchdringungsprüfung nicht vom Kopf löst.
  • Sie müssen flammbeständig sein.

EN 12492: Bergsteigerhelme

Ist ein Helm nach EN 12492 zertifiziert, muss er seinen Träger vor Gefahren beim Bergsteigen schützen. Die Normanforderungen (siehe unten) legen nahe, dass Bergsteigerhelme vor allem dem Schutz vor herabfallenden Gegenständen dienen.

Die Anforderungen an Kletterhelme nach EN 12492 lauten:

  • Sie müssen sowohl vertikal, frontal, lateral, als auch dorsal stoßgedämpft sein.
    Dafür wird zum einen ein Schlagkörper senkrecht von oben, zum anderen eine flache Stahlplatte schräg von oben (vorne, seitlich, hinten) aus einem definierten Abstand auf den Helm fallen gelassen.
  • Eine gewisse Durchdringungsfestigkeit muss vorhanden sein.
  • Sie benötigen eine Trageeinrichtung, also einen Kinnriemen, der bei min. 500 N auslöst, eine max. Dehnung von 25 mm aufweist und dafür sorgt, dass der Helm nicht vom Kopf gleitet.

Drei verschiedene Helmtypen

Unabhängig von den verschiedenen Normen, die Kletterhelme erfüllen müssen, gibt es außerdem unterschiedliche Helmtypen: Hartschalenhelme, Inmold-Helme und Hybridhelme. Diese weisen jeweils verschiedene Vor- und Nachteile auf. Je nachdem, welchen Fokus der Baumkletterer legt, bietet sich der eine oder eben der andere Typ an.

Hartschalenhelme

Dieser Helmtyp besteht aus einer harten Plastikschale, die innen mit einem Gurtsystem ausgestattet ist. Wird der Kletterhelm zum Beispiel durch Schläge oder herabfallenden Gegenstände belastet, nehmen Schale und Gurtsystem die Energie auf – indem sie sich verformen. Hartschalenhelme sind sehr robust und verhältnismäßig kostengünstig. Allerdings sind sie aufgrund ihrer Konstruktion auch recht schwer: Sie haben meist ein Gewicht zwischen 400 und 500 Gramm.

Inmold-Helme

Im Gegensatz zu Hartschalenhelmen sind diese Kletterhelme komplett aus Styropor (geschäumter Kunststoff) gefertigt. Die bei einem Aufprall oder Schlag entstehende Energie wird durch Verformung oder Bruch der Schale absorbiert. Dank des Materials sind Inmold-Helme die Leichtgewichte unter den Kletterhelmen: Sie wiegen lediglich um die 200 Gramm. Andererseits sind sie aber genau deshalb auch weitaus weniger robust. Sie können sehr schnell versehentlich brechen, wenn man sie zum Beispiel ungünstig transportiert.

Hinweis: Inmold-Helme eignen sich für Bodenleute eher weniger. Sie erfüllen zwar durchaus die Anforderungen der Normen an die Durchdringungsfestigkeit. Dennoch besitzen sie weit weniger davon als Hartschalen- und Hybridhelme. Vor herabfallenden Ästen etc. bieten sie also nur unzureichenden Schutz.

Hybridhelme

Wie der Name schon verrät, handelt es sich bei dieser Helmart um eine Mischform – also einen Hybrid – aus Hartschalen- und Inmold-Helm. Hybridhelme haben eine etwas dünnere Schale als Hartschalenhelme. Zusätzlich wird im oberen Bereich eine Styroporeinlage zur besseren Stoßdämpfung eingefügt. Dank dieser Konstruktion sind sie fast so widerstandsfähig wie Hartschalenhelme – mit 300 bis 400 Gramm aber auch etwas leichter.

Für Baumkletterer besonders wichtig ist seitlicher Aufprallschutz, beziehungsweise seitliche Stoßdämpfung. Denn vor allem bei Pendelstürzen kommt dieser zum Tragen. Sowohl EN 12492, als auch EN 14052 fordern diese laterale Stoßdämpfung, bei EN 397 wiederum wird diese nicht explizit verlangt. Bei der Entwicklung des vielseitigen Hybridhelms Boreo zum Beispiel hat Petzl besonderen Wert auf erhöhten Kopfschutz gelegt – insbesondere auch auf den seitlichen. Die im Nacken tiefer gezogene Form des Helms bietet erhöhten Aufprallschutz an den Seiten und am Vorder- und Hinterkopf.


Quellen:

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