Welche Schutzausrüstung um den Eichen­prozessions­spinner zu beseitigen?

Bedingt durch den Klimawandel tritt der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) seit Jahren örtlich massiv auf. Die Bekämpfung und Beseitigung der problematischen Larven und Nester fällt regelmäßig in den Aufgabenbereich von Baumpflegern und Baumkletterern. Sie sind die Experten für Bäume und erreichen alle Bereiche bis hoch in die Krone. Durch die gesundheitlichen Risiken, welche die Brennhaare der Larven verursachen, benötigen Baumpfleger für diese Aufgabe eine spezielle Schutzausrüstung.

Gesundheitsrisiko Brennhaare

Baumstamm mit Raupen und Hinweisschild auf den EichenprozessionsspinnerDie Brennhaare des Eichenprozessionsspinners lösen ab dem dritten Larvenstadium Hautirritationen wie Quaddeln, Ausschläge und Juckreiz aus. Aber auch Reizungen der Augen oder Mundhöhle, Atemnot, Fieber, Schwindel und schwere allergische Schocks gehören zu den Folgen. Ein Grund dafür ist das enthaltene Eiweißgift Thaumetopoein. Die problematischen Brennhaare sind dabei die kurzen in Bürsten angeordneten kleinen Haare, die neben den langen entstehen. Mit jedem weiteren Larvenstadium ab dem drittem Stadium nimmt deren Anzahl weiter zu. Bei starkem Kontakt mit den Haaren und deutlichen allergischen Reaktionen ist ein Arztbesuch anzuraten.

Die ersten Symptome treten innerhalb der ersten acht Stunden nach dem Kontakt mit den Brennhaaren auf. Medizinische Studien zeigen, dass Menschen oft stärker auf die Haare reagieren, wenn sie bereits früher mit ihnen Kontakt hatten.

Schutzausrüstung gegen die Brennhaare

Wer einen Auftrag hat, Larven und Nester des Eichenprozessionsspinner zu entfernen, muss auf die richtige Schutzausrüstung setzen, um gesundheitliche Probleme zu vermeiden. Wichtig ist, einen Kontakt der Haare auf der Haut und dem Mund und Rachenraum zu vermeiden.

Empfohlene PSA für die Beseitigung des Eichenprozessionsspinners nach SVLFG:

  • Korbbrille
  • partikelfiltrierender Mundschutz (Feinstaubmaske) FFP2/FFP3 mit Ausatemventil
  • Chemikalienschutzanzug Typ 4B mit Mütze
  • reißfeste Schutzhandschuhe
  • leicht zu reinigende oder desinfizierbare Schuhe

EPS Guard Schutzanzugset

EPS GuardSchutzanzüge sind notwendig, weil sich die die feinen Haare schnell in der Kleidung oder anderen Materialien verfangen. Da die Anzüge nur schwierig zu reinigen oder für die Kletterei im Baum unpraktikabel sind, empfehlen wir von Freeworker Einwegoveralls. Diese lassen sich nach dem Einsatz sicher und schnell sachgerecht entsorgen.

Unser Schutzanzugset zur Beseitigung von Eichen­prozessions­spinnerraupen:
EPS Guard
(Inhalt: Chemikalienschutz­overall mit Kapuze, Feinstaubmaske, Schutzhandschuh, Schutzbrille, Entsorgungsbeutel)

Versaflo 306 Schutzhelm

Versaflo SchutzhelmDer Versaflo 306 Schutzhelm von 3M mit leichter Komfort-Gesichtsabdichtung bietet geprüften Atem-, Augen- und Gesichtsschutz – und somit sicheren Schutz vor den gefährlichen Haaren. In Verbindung mit dem Gebläse TR-300 Set erfüllt er die EN 12941 für gebläseunterstützte Atemschutzgeräte. Helm und Gebläse bieten gemeinsam bestmöglichen Atem- und Gesichtsschutz. Mit dem zusätzlichen Kinnriemen kann der Versaflo 306 auch zum Baumklettern verwendet werden.

Der Schutzhelm von 3M zur Beseitigung von Eichen­prozessions­spinnerraupen:
Versaflo Schutzhelm
(Zubehör: Gebläse-Set, Kinnriemen, Visierschutzfolie, Schutzhaube, Schlauchüberzug)

Schutzmaßnahmen auf der Baustelle

Baumpfleger in Schutzanzügen bei der ArbeitDie sich verhakenden Brennhaare des Eichenprozessionsspinners erfordern vor Ort weitere Schutzmaßnahmen. Die SVLFG empfiehlt während der Arbeit und auf der Baustelle nicht zu essen, zu trinken oder zu rauchen. Nach der Arbeit solltet ihr alle Arbeitsmittel und Ausrüstungsgegenstände, die ihr mehrfach verwendet (Schuhe, Handschuhe etc.) sachgerecht reinigen. Achtet darauf, dass das Wasser direkt in die Kanalisation geht und keine Haare auf dem Boden zurückbleiben. Die benutzten Schutzanzüge rollt ihr mit der Außenseite nach innen zusammen und entsorgt sie mit der Atemmaske in einem dichten und verschließbaren Behälter oder Tüte.

Die hohlen Brennhaare der Larven des Eichenprozessionsspinners brechen leicht ab und verteilen sich in der Umgebung des Baumes. Nicht nur wenn die aktiven Larven auf Wanderschaft sind, gilt es vorsichtig zu sein. Auch in alten Nestern verbleiben die problematischen Brennhaare und können noch Jahre später gesundheitliche Probleme auslösen. Daher ist es in Risikogebieten bei allen Baumarbeiten in Eichen ratsam, jederzeit den Baum vorab auf alte Nester zu kontrollieren. In besonders heißen Sommern bauen die Raupen des Eichenprozessionsspinners Nester im Erdboden nahe dem Stammfuß. Daher auch diesen Bereich kontrollieren.

Nest des Eichenprozessionsspinner an einem Ast

Vor jedem Einsatz an Eichen den Baum auf Nester des Eichenprozessionsspinners kontrollieren

Tipps und Tricks aus der Praxis

Baumpfleger bereiten sich auf einen Einsatz vorBei EPS-Einsätzen empfiehlt sich, zunächst auf den Hubsteiger oder Sauger mit Verlängerungen zu setzen. Wer in den Baum klettert, weil es nicht anders geht, greift vorzugsweise auf älteres Equipment zurück. Der alte Klettergut (Ablegereife beachten!) reicht für EPS-Einsätze und muss zwischen den Einsätzen nur gut verpackt werden.

Die Hauptzeit für den Eichenprozessionsspinner ist im Sommer, wenn es heiß ist. Wenn möglich, die Einsätze daher in den kühlen Morgenstunden erledigen, da es unter dem Schutzanzug schnell drückend warm wird. Ein Buff, Schlauchschal oder eine dünne Mütze helfen gegen Schweiß im Gesicht und in den Augen. Einfach über den Kopf ziehen und dann die Kapuze und den Helm aufsetzen.

Kleidung oder andere textile Gegenstände die trotz Schutzmaßnahmen mit den Brennhaaren in Berührung kommen, lassen sich mit einer Wäsche bei 60° reinigen (Waschanleitung und Hinweise beachten!). Beim Ablegen der Schutzausrüstung und Kleidung darauf achten, möglichst sorgsam zu sein, um keine Haare in die Umgebung zu schleudern. Ein kurzes Abbrausen mit einer mobilen Dusche ist in diesem Zusammenhang ebenfalls hilfreich.

Edelrid – Hersteller von Seilen, Klettergurten und anderer PSA – erlaubt für viele PSA-Produkte in Zusammenhang mit dem EPS (PDF) eine Reinigung bei 65°

Gegen Quaddeln, Ausschläge und Juckreiz auf der Haut helfen Cremes oder Gels mit Menthol oder Aloe Vera und Cortisonsalben. Einige Baumpfleger schwören auf einen heißen Saunagang, um das Eiweiß in den schmerzhaften Brennhaaren abzutöten. Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei EPS-Einsätzen im Erste-Hilfe Kasten für den Fall der Fälle lindernde Salben (einige Baumpfleger haben z.B. gute Erfahrungen mit Weihrauchcreme und Pechsalbe gemacht) und Augenspülung mitzuführen.

Schutzausrüstung für die Rußrindenkrankheit

Ein weiteres Krankheitsphänomen an Bäumen, das zu gesundheitlichen Problemen bei Baumpflegern und Waldarbeitern führt, ist die Rußrindenkrankheit. Grund sind die feinen Sporen des Pilzes, die sich unter der Rinde von Ahornbäumen finden. Sie führen bei einem längeren Aufenthalt in der Nähe der Bäume zu einer Entzündung der Lungenbläschen (Farmerlunge). Die Folgen sind Reizhusten, Fieber, Atemnot oder Schüttelfrost.

Die empfohlene Schutzausrüstung für Einsätze gegen den Eichenprozessionsspinner ist ebenfalls bei Arbeiten mit von der Rußrindenkrankheit befallenen Bäumen geeignet. Auch hier gilt es die Schutzausrüstung nach der Arbeit fachgerecht zu entsorgen und zu reinigen und damit zu unterbinden, dass sich die Sporen weiter ausbreiten.

Weitere Raupen und Insekten die Schutzausrüstung erfordern

Regional gibt es erhöhte Aufkommen des Goldafters (Euproctis chrysorrhoea). Die Haare der Raupe sind der des Eichenprozessionsspinners ähnlich und können ebenfalls zu Reizungen führen. Langsam wandert der auf Kiefern spezialisierte Pinienprozessionsspinner (Thaumetopoea pityocampa) aus dem Mittelmeerraum nach Süddeutschland ein. Er ist eng mit dem Eichenprozessionsspinner verwandt und seine Brennhaare sind ähnlich problematisch für Menschen.

PlatenenblätterEin anderes Problem kennen Baumpfleger, die im Frühsommer Platanen beklettern. Feine Härchen an den jungen Blättern, Zweigen und Knospen brechen ab, wenn sie berührt werden und lösen Husten und Atembeschwerden aus. Auch Hautirritationen sind durch den Platanenstaub möglich. Für Baumpfleger bedeutet das: Arbeiten in Platanen im Sommer möglichst vermeiden oder auf den Hubsteiger setzen. Wer klettert, trägt am besten lange Kleidung und Handschuhe, um Körperkontakt zu vermeiden und einen partikelfiltrierenden Mundschutz (Feinstaubmaske) FFP2/FFP3 mit Ausatemventil und Korbbrille.

Der Einsatz des EPS-Sets von Freeworker als Schutzausrüstung gegen den Eichprozessionsspinner kann bei Arbeiten mit diesem Gefährdungspotential durch Raupen und Stäube ebenfalls ganz oder in Teilen hilfreich sein.

Blick in die Zukunft – zunehmende Aufträge

Der Klimawandel und die daraus folgenden warmen, trockenen Frühjahre und Sommer begünstigten ein stärkeres Auftreten des Eichenprozessionsspinners in den vergangenen Jahren. Auch zukünftig ist damit zu rechnen, dass die Problematik zunimmt und mit dem vom Süden her einwandernden Pinienprozessionsspinner ein weiteres Problem hinzukommt.

Raupen des Eichenprozessionsspinner

Prozession von Raupen des Eichenprozessionsspinners

Auch die Rußrindenkrankheit profitiert vom Klimawandel und trat im Jahr 2019 erstmals großflächig auf. Besonders im Mittelpunkt steht Hessen, aber auch in anderen Regionen fällten Waldarbeiter und Baumpfleger in Schutzausrüstung zahllose Ahorne. Die trockenen Bedingungen des Jahres 2018 haben die massive Ausbreitungswelle nach ersten Erkenntnissen begünstigt.

Neue Lösungen für die Schutzausrüstung

Mit dem Blick in die Zukunft plant Freeworker sein Sortiment im Bereich der Schutzausrüstung für spezielle Baumpflegeeinsätze wie Eichenprozessionsspinner und Rußrindenkrankheit auszubauen. Aktuelle Schutzausrüstungen entstammen anderen Arbeitsbereichen und passen nicht immer perfekt zur Praxis in unserem Arbeitsbereich. Auch die Nachhaltigkeit der verfügbaren Produkte überzeugt uns aktuell nicht. Entsprechend arbeiten wir weiter mit erfahrenen Herstellern zusammen, um bessere Lösungen zu finden.

Weitere Informationen

Informationen zum Eichenprozessionsspinner

Informationen zur Rußrindenkrankheit

Informationen zum Platanenstaub


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