daWinchi – Dirk Lingens stellt seine Winch vor

Logo PetzlMit der daWinchi hat Dirk Lingens, Baumkletterer, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule und passionierter Tüftler, wieder einmal den Markt für Baumpflege- und Baumfällungen bereichert. Nach MiniBollard und MaxiBollard ist daWinchi das nächste durchdachte Ablassgerät fürs Rigging des Norddeutschen. Wie immer stecken in der Entwicklung jahrelange Erfahrungen in der Baumpflege und bei Baumfällungen und viel Erfindergeist. Wir haben mit Dirk über die Vor- und Nachteile seiner Winch, seinen Antrieb diese zu entwickeln gesprochen und ihn nach Tipps und Tricks bei der Benutzung von daWinchi gefragt.

Warum hast du die daWinchi erfunden? Was war dein Antrieb?

Dirk Lingens

Nachdem ich jahrelang nur mit Flaschenzügen arbeitete, kaufte ich mir vor 12 oder 13 Jahren die Spezial Winch. Die Segelwinchen überzeugten mich aus vielen Gründen noch nie für Baumarbeiten. Zu filigran, nicht für alle Seilstärken ausgelegt und dynamisches Abseilen ist schwierig. Mit der Spezial Winch war ich, außer dass sie zu schwer war und kein CE-Zeichen hatte, sehr glücklich. Irgendwann war die Winch dann aber nicht mehr im Handel erhältlich.

Wegen des Arguments der Gewichtsreduktion überlegte ich jedoch seit mindestens zehn Jahren, wie „meine“ Winch aussehen müsste. Ohne die Spezial Winch war für mich der Zeitpunkt gekommen, meine eigene Winch ins Leben zu rufen – daWinchi! Ich bin dann zu einem Konstrukteur hingegangen, habe mit ihm zusammen Pläne gemacht und einen Prototyp gebaut.

Vorteile und Technische Daten von daWinchi

Was macht daWinchi besser als andere Winchen, welche Vorteile hat sie?

Meines Wissens nach ist sie die einzige trommelbasierte Winch in Deutschland oder vielleicht sogar Europa. Sie baut damit nicht wie andere Winchen auf einer Segelwinch auf – außer der bei uns nicht erhältlichen Hobbs. Der nächste Vorteil von daWinchi ist, dass sie Seile von 10 bis 19 Millimetern aufnimmt. Außerdem lässt sich mit ihr sehr dynamisch abseilen, was mit Segelwinchen nicht ratsam ist. Denn diese sind meines Wissens nach nicht für hohe Seilgeschwindigkeiten ausgelegt.

Bei einigen dieser Winchen muss ich deshalb das Werkzeug wechseln: Segelwinch raus – Trommel rein. Bei anderen Winchen ist das kombiniert. Aber ich muss trotzdem umständlich das Seil von der Winch auf die Trommel legen und zwischendurch entsprechend sichern. Bei meiner Winch kann ich unmittelbar vom Aufseilen ins Abseilen übergehen und richtig Gas geben! Ein weiterer Vorteil: daWinchi wiegt nur 16 Kilo und ist damit leichter als viele andere Winchen, die 30, manchmal sogar 50 Kilo wiegen.

Technische Daten

  • WLL (Nutzlast): 10 kN
  • MBL (Bruchlast): 50 kN
  • Trommel: Ø 100 mm
  • für Seile Ø 10–19 mm
  • Gewicht ohne Stange: 16 kg
  • Stange: 1 kg / 76 cm
  • max. Belastung der Stange: 80 kg
  • Temperaturbereich: -10 °C bis +50 °C
  • leichte und schnelle Montage, auch baumschonend
  • zertifiziert nach Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

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Entwicklung und Tests

Wie lief die Entwicklung der Winch ab und wie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Endprodukt gedauert?

Ich sag mal, wirklich zehn Jahre. Wobei das keine zehn Jahre reine Entwicklungsarbeit sind, sondern die ersten Ideen sind vor zehn Jahren entstanden. Auch Ideen aus dem MiniBollard sind mit in daWinchi geflossen, weil da ebenfalls ein leichteres Gerät mein großes Ziel war. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, mache ich manchmal die Augen zu und konstruiere Dinge im Kopf. Ich habe ein relativ gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Zwar findet davon nicht alles seinen Weg aufs Papier oder wird in die Tat umgesetzt, aber ich plane schon relativ gut vor.

Und als es keine Spezial Winch mehr gab, bin ich mit dem dritten oder vierten Entwurf dann zum Konstrukteur gegangen und machte mit ihm eine Konstruktionszeichnung. Ich bin ja Laie was Metallbau angeht und damit waren einige meiner Ideen aus Material- oder Konstruktionsgründen, die der Konstrukteur besser kennt als ich, schon nicht mehr möglich. Zusammen lösten wir aber diese Probleme, machten eine Zeichnung und einen Plan und anschließend setzte er den Prototyp in die Tat um.

Hast du andere Kollegen in die Entwicklung mit einbezogen? Wie ausführlich waren deine Tests?

Der Prototyp musste einiges ertragen.

Als der Prototyp fertig war, testete ich daWinchi erstmal bei mir im Betrieb, bevor sie auf Wanderschaft ging. Bestimmt vier, fünf Kollegen testeten die Winch in ihrem Alltag. Ich habe sie teilweise zu den Kollegen auf die Baustelle gefahren, wenn die sagten: „Hey, wir haben heute eine große Buchenfällung!“ Ich sagte ihnen dann auch: „Sie darf auch kaputt gehen! Dann weiß ich, wo die Schwachstellen liegen. Also, nehmt die Winch ran!“.

Welche Änderungen musstest du zum Prototyp vornehmen?

Der Prototyp von daWinchi war schon sehr nah dran, an dem, wo ich hinwollte. Es gab eigentlich nur zwei wesentliche Änderungen. Ein paar Verstärkungen musste ich noch machen, da die Krallenanschläge bei einem Kollegen ganz leicht weg gebogen sind. Auch beim Seileinlauf musste ich anders konstruieren. Auf meiner eigenen Baustelle ist das Seil beim Rigging rausgesprungen. Das darf natürlich nicht passieren. Zudem sind die Belegnägel etwas länger geworden als beim ursprünglichen Prototyp. Es hat sich einfach gezeigt, dass die Seilführung so auf der Baustelle einfacher und schöner ist.

Hast du nur in der Praxis oder auch im Labor einmal die Grenzen ausgetestet? Immerhin ist es für den Einsatz auf Baustelle wichtig, die Grenzen zu kennen.

Ja, ich testete daWinchi bei Edelrid, denen ich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich danke! Mein Ziel bei der Entwicklung war, dass die Winch eine Tonne plus Sicherheitsfaktor aushält. Im Labortest stoppten wir bei fünf Tonnen, die Winch weiter zu belasten. Sie hat da immer noch wunderbar funktioniert, aber mir war das dann genug. Bevor ich am Ende noch das ganze Labor zerstöre, wenn es die Winch zerreißt. Mit einer Nutzlast von 10 kN und einer Bruchlast von 50 kN bleibe ich daher deutlich unter dem, was sie wahrscheinlich leisten kann.

Aber die Zahlen sind bewusst tief angesetzt, denn ich wollte ein Polster haben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es auf der Baustelle zugeht. Schnell verschätzt man sich mal mit dem Holzgewicht und den auftretenden Kräften. Zum anderen muss eine Tonne Holzgewicht (oder weniger bei dynamischen Arbeiten) bewegt und vom Baum gehalten werden. Andere Winchen setzen höher an. Für meine Winch bin ich jedoch vorsichtiger gewesen mit der Angabe meiner Lastgrenzen.

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Lokale Produktion von daWinchi

Wer stellt die daWinchi her?

daWinchi wird ganz in meiner Nähe in Rehna, Mecklenburg-Vorpommern, komplett zusammengebaut. Der Konstrukteur, der gemeinsam mit mir den Prototypen entwickelt hat, baut die daWinchi vor Ort für mich – ein Ein-Mann-Betrieb. Das ist möglich, weil es aktuell kleine Stückzahlen sind. Geplant ist, weiterhin dort produzieren zu lassen. Einige Teile kommen aber auch aus China etc. Das lässt sich heutzutage nicht vermeiden.

Preislich könnte ich mit Sicherheit mehr rausholen, wenn ich die Produktion auslagere. Aber das ist nicht in meinem Interesse. Ich möchte, soweit es möglich ist, lokal produzieren. Die Nähe der Produktion zu meiner Heimat ist auch praktisch: Wenn doch einmal etwas nicht passen sollte, fahre ich selbst schnell vorbei und lasse das direkt vor Ort klären.

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Tipps und Tricks zur Baumpflege- bzw. Baumarbeiten-Winch

Wo siehst du die Einsatzgebiete der Winch und was könnte eine andere Winch besser?

Meine Winch kann alles! (lacht)

Eine Segelwinch ist im Vorteil, wenn es nur darum geht, Seil einzuholen oder Seile zu spannen. Wenn ich eine Seilbahn spannen oder über diese Holzstücke über lange Wege heranziehe. Auch wenn ein Stamm im Graben liegt und in kleinen Stücken herausgehoben wird. daWinchi kann das alles auch, aber, so viel Ehrlichkeit muss sein, in diesen Situationen ist eine Segelwinch bequemer.

Deine Winch ist also eine richtige Baumpflege- bzw. Baumarbeiten-Winch?

Die Hobbs ist auch für die Baumpflege konstruiert und schön robust. Aber mir ist sie einfach viel zu schwer und nach meinem Wissen ist sie nicht in Deutschland oder nur über Umwege erhältlich. Mir ist zudem die Gewichtsreduktion wirklich sehr wichtig. Ich will mit 65 noch arbeiten und freue ich mich über ergonomisches Arbeiten. Und da gehört eine Ausrüstung dazu, die nicht unnötig schwer ist.

So wie ich Baumfällarbeiten verstehe und wie ich vom Konzept her herangehe, benötige ich eine Winch, die mehr als 14 oder 15 Millimeter Seil aufnimmt. Mit den anderen kann ich eine Seilbahn spannen oder mit einem 13 Millimeter Dyneemaseil auch entsprechende Gewichte bewegen. Das hat aber nix mit meiner Baustelle zu tun. Da brauch ich eine Winch, die auch 18 oder 19 Millimeter Seile aufnimmt.

daWinchi – Vorgestellt in laufenden Bildern

daWinchi ist schnell und einfach installiert. Mit dem Montage-Nagel geht es sogar ganz alleine.

daWinchi alleine montieren – dank Montage-Nagel!

Genau! Die Montage war mir bei der Entwicklung sehr wichtig. Das sollte leicht und zügig auf der Baustelle zu realisieren sein. Ohne sich dabei unergonomisch den Rücken zu verheben oder dass die Winch auf die Füße fällt. Mit einem im Gehäuse verstauten Montage-Nagel (gibt es notfalls auch als Ersatzteil für Schusselige) lässt sich daWinchi alleine bei Baumfällungen am Baum installieren. Die Winch an den Baum halten, mit dem Nagel fixieren und ganz in Ruhe die Spanngurte installieren. Natürlich ist es zu zweit angenehmer, aber wenn der*die Kolleg*in anderweitig beschäftigt ist oder bereits hochgeklettert ist, kann die Winch schnell alleine installiert werden.

Allerdings gehe ich persönlich davon aus, dass bei Fällungen immer mehrere Personen am Boden arbeiten. Wie eine Segelwinch kann ich daWinchi alleine bedienen. Wie weit das Sinn ergibt, ist jedem selbst überlassen. Meiner Meinung nach habe ich bereits bei der Planung einen Fehler gemacht, wenn bei einer Fällung nur eine Person am Boden ist. Schließlich bewegen wir dabei nicht unerhebliche Holzgewichte. Daher bin ich der Ansicht, dass bei einer Fällung zwei, eher drei Leute am Boden anwesend sein sollten.

Hast du persönliche Tipps an unsere Leser*innen/Kund*innen bezüglich der Anwendung?

Setzt die Winch öfter ein, als Ihr eigentlich denkt oder plant, sie einzusetzen! Ich setze daWinchi bereits bei relativ kleinen Baumfällungen ein. Es geht beim Einsatz von Winchen nicht darum, die dicken Monsterstücke zu bewegen. Eine Winch ist auch sehr hilfreich, um starke Spannung aus dem Holz zu nehmen oder Druck- und Zugstellen zu entschärfen. Das macht das Sägen und die Arbeit sicherer. Mit meiner leichten daWinchi hoffe ich, dass damit die Entscheidung, sie einzusetzen, leichter fällt!

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Noch Fragen?

Gerne berät Dich unsere Technische Beratung (Tel.: 08105 – 27 27 210 oder Mail: info[at]freeworker.de) wenn du mehr über daWinchi, Winchen oder Baumpflege und Baumklettern im Allgemeinen wissen willst. Unsere praxiserfahrenen Kollegen sind Montag bis Freitag von 8:00–18:00 Uhr für Dich da und beantworten Fragen, geben Tipps und Tricks und helfen bei der Auswahl der richtigen Produkte.

Wie geht’s weiter?

Du hast das Baumknoten-Buch geschrieben, unter anderem Mini- und MaxiBollard sowie eine Schuhschlaufe/Trittschlinge entwickelt. Hast du schon weitere Projekte im Sinn, auf die sich die Baumkletterszene freuen darf?

Aktuell arbeite ich an einem Wurfbeutel. Ich bin kein Freund von bleigefüllten Beuteln. Mindestens einmal im Jahr verliert man einen und dann liegen beispielsweise 250 g giftiges Blei im Dorfteich. Deswegen verwende ich bei mir im Betrieb nur Stahlbeutel. Alle aktuell verfügbaren, stahlgefüllten Beutel lassen bei der Qualität echt zu wünschen übrig. Das ist fast ein Argument für die Bleibeutel, wenn auch das einzige. Die Stahlbeutel selbst fliegen genauso gut wie die Bleibeutel. Das habe ich für das Kletterblatt 2022 getestet. Testsieger bei meinen Flugtests war ein Stahlbeutel. Denn es kommt auf die Kompaktheit des Beutels bzw. der Füllung an. Je kompakter, desto besser fliegen sie.

Deshalb entwickle ich aktuell einen sehr kompakten Stahlbeutel. Tatsächlich aber einen Beutel mit Granulat und kein Gewicht. Diese sind zwar am kompaktesten, aber die will ich nicht aus Versehen an den Kopf bekommen. Die massiven Gewichte sind meiner Einschätzung nach ein Sicherheitsrisiko. Ein bisschen formbar muss der Beutel sein, um beim Aufprall Energie aufzunehmen. Dann geht weniger kaputt, wenn man mal etwas trifft, was man nicht treffen will wie zum Beispiel eine Dachrinne oder den Kopf vom Kollegen.

Ein weiteres Projekt hat jetzt weniger mit Baumklettern und Baumpflege zu tun. Aktuell entwickle und teste ich einen Wanderwagen. Der ist bereits weit über 1000 Kilometer im Einsatz gewesen. Da möchte ich zukünftig ein Produkt daraus machen. Gerade bei schwer zugänglichen Standorten zum Beispiel im Wald oder Park ist das vielleicht für Baumkletter*innen interessant. Wenn man erstmal einen Kilometer in den Wald laufen muss, packt man die Ausrüstung auf den Wagen und hat trotzdem die Hände frei.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Weitere Informationen

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