Heimvorteil genutzt – Europäische Baumklettermeisterschaft 2018

Kurz bevor auf der Europäischen Baumklettermeisterschaft 2018 die Siegerehrung begann, passierte etwas Ungewöhnliches: Kurzzeitig fielen Regentropfen zu Boden. Zuvor zeichnete sich das Wetter in Thoiry, wenige Kilometer westlich von Paris, ausschließlich durch eine täglich zunehmende Hitze aus. Am letzten Tag klettert das Thermometer auf 35 Grad und die Hitze forderte von den Teilnehmern des Masters die letzten Kräfte. Im Finale der Herren nutzte ein französischer Arborist den Heimvorteil und die grandiose Unterstützung der französischen Fans. Bei den Damen war die Seriensiegerin der letzten Jahre erneut nicht zu schlagen.

Hitze, Schweiß und brennende Sonne

Passend zum savennenartigen Wetter, waren ein Safaripark und Zoo, die auf dem Anwesen eines alten Landschlosses liegen, die Kulisse für die ETCC 2018. Um die große zentrale Wiese herum hatten Händler und Hersteller ihre Zelte aufgeschlagen. Direkt in den Bäumen dahinter waren die einzelnen Stationen der Vorwettkämpfe zu finden. Insgesamt 59 Starter aus 19 Nationen zählte das Starterfeld. Diese Startplätze verteilten sich auf 46 Herren und 13 Damen.

Ascent Event

Hoch hinaus ging es beim Ascent Event. In der kleinen Krone einer Kiefer in über 23 Metern Höhe hing die Glocke. Am schnellsten schlugen der Deutsche Meister von 2017 Fafa Weber in 21,86 Sekunden bei den Herren und die Weltmeisterin von 2017 Josephine Hedger in 32,58 Sekunden bei den Damen an.

Throwline

Knifflig waren die beiden Eichen, die die Organisatoren der Europäischen Baumklettermeisterschaft 2018 für das Einwerfen der Wurfleine auswählten. Nur wenigen Startern gelangen zweistellige Punktzahlen. Sowohl bei den Damen, als auch bei den Herren setzten sich deutsche Teilnehmer durch. Nadja Klausmann und Tim Schröder, Deutscher Meister von 2018, hatten am Ende des Tages das beste Zielvermögen.

Work Climb

Eine tief gezwieselte Eiche war der Schauplatz des Work Climb. Ganz klassisch galt es vier Stationen mit Glöckchen, Gewichts- und Wurfstation abzuarbeiten und am Ende noch eine saubere Landung hinzulegen. Einmal mehr zeigte Fafa Weber mit seiner eleganten und zügigen Technik seine Stärken und war mit 76,05 Punkten nicht zu schlagen. Bei den Damen lag Josephine Hedger mit 66,87 Punkten vorn.

Arial Rescue

Im Schatten von Libanonzedern und Mammutbäumen zählte die Rettung zu einer der beliebtesten Stationen für die Zuschauer. Trotz vereinzelter sprachlicher Hindernisse bei der hohen Anzahl an teilnehmenden Nationen gab es zahlreiche ausgezeichnete Rettungen zu bestaunen. Bei den Damen zeigte wieder die Britin Jospehine Hedger mit 39,33 Punkte die beste Lösung. Frits Van der Werff gewann die Herrenkonkurrenz mit glatten 43 Punkten.

Belayed Speed Climb

Gleich neben der Rescue-Station war alles für den Speed Climb vorbereitet. Bevor es den dicken Stamm der mächtigen Libanonzeder circa 25 Meter nach oben ging, mussten die Starter zunächst für ein paar Meter quer über einen bodennahen Starkast klettern. Vom heimischen Publikum angetrieben, waren die beiden Franzosen Jèrôme Pagny mit 34,23 Sekunden und Sophie Valat mit 90,71 Sekunden die besten Klettermaxe.

Ein heißer Finaltag bei der ETCC 2018

Bereits am frühen Morgen – noch bevor der erste Starter zum Masters-Baum unterwegs war – hatte die Sonne die Luft ordentlich aufgeheizt. Schnell waren die wenigen Schattenplätze durch Zuschauer besetzt. Aus allen Ecken wurden Master-Tents und andere Schattenspender herangeschleppt. Noch am Abend zuvor verkündeten die Organisatoren die Teilnehmer/-innen für das Masters. Josephine Hedger 🇬🇧, Erika Luppi 🇮🇹 und Sophie Valat 🇫🇷 qualifizierten sich bei den Frauen. Sie wechselten sich mit den fünf Herren Fafa Weber 🇩🇪, Romain Chignardet 🇫🇷, Jérôme Pagny 🇫🇷, Miguel Lillo 🇪🇸 und Frits van der Werff 🇧🇪 am Sonntag bei der Europäischen Baumklettermeisterschaft 2018 ab.

Neben dem starken Auftreten der gastgebenden Franzosen, die mit drei Starten im Masters vertreten waren, zeigten auch die Deutschen Teilnehmer rund um Fafa einen beeindruckenden Auftritt. Die beiden Deutschen Meister Anika Hartramph und Tim Schröder verpassten das Finale als Vierte und Sechster nur um wenige Punkte. Ebenso knapp landete Nadja Klausmann auf Platz fünf. Sebastian Sucker – genau wie Fafa und Tim Ausbilder bei der Münchner Baumkletterschule – erreichte bei seiner ersten Europameisterschaft im Baumklettern den 14. Rang.

Zwei Damen und drei Herren vor einer grünen Wand

Die deutschen Starter bei den Europäischen Baumklettermeisterschaften 2018 in Thoiry

Der Mastersbaum war ein alter Bekannter für die Starter/-innen. Sie bekletterten ihn am Tag zuvor während des Workclimbs. Natürlich verlegten die Kursbauer der Europäischen Baumklettermeisterschaft 2018 die einzelnen Stationen. Die Gewichtstation lag beispielsweise sogar auf den Nachbarbaum. Doch schon beim ersten Starter war klar, dass diese mittels Umlenkung über den Hauptbaum zu erreichen war. Das Zeitlimit betrug 30 Minuten. Eine anspruchsvolle Aufgabe angesichts der Temperaturen.

Masters Damen

Nachdem die ersten beiden Männer ihren Masterslauf gemeistert hatten, startete Josephine als erste Frau im Masters. Die dreimalige Welt- und Europameisterin zog wie eine Puppenspielerin die Wurfleine lange, aber konzentriert in den Ankerpunkt, bis auch die Jury zufrieden war. Die verlorene Zeit war nicht mehr aufzuholen und nach drei Stationen erreichte die Titelverteidigerin völlig erschöpft wieder den Boden. Dort fehlten ihr wenige Sekunden, um das Material vollständig auszubauen.

Noch weniger Zeit zum Klettern hatten die beiden anderen Starterinnen. Sowohl Sophie, als auch Erika hatten lange mit dem Seileinbau zu kämpfen und stiegen erst nach über der Hälfte der Zeit in den Baum auf. Unter Zeitdruck unterliefen dann beiden unglückliche Fehler, die eine Disqualifikation nach sich zogen. Erika verlor einen Teil ihrer Ausrüstung, während bei Sophie der Seilwinkel und ein schlaffes Seil der Jury keine andere Wahl ließen.

Masters Herren

Als Erster ging Frits aus Belgien in den Mastersbaum. Schnell hatte er sein System eingebaut und auch die Stationen arbeitete er schnell ab. Ihm blieb sogar genügend Zeit, um ein in den Ästen verfangenes Seil durch einen erneuten Aufstieg und unter dem tosenden Jubel der Zuschauer auszubauen. Mit noch 19 Sekunden auf der Uhr war er mit seiner Vorstellung fertig – er blieb als einzige Starter an diesem Tag in der Zeit.

Ihm folgte Fafa aus Deutschland. Sein Plan war es, zwei Aufstiegsseile einzubauen. Ein wenig Pech beim Werfen kostete ihn viel Zeit und bedeutete enormen Zeitdruck im Baum. Wieder am Boden fehlte am Ende nur wenig Zeit für den Ausbau des Materials. Eine Strafe kostete ihn zudem zusätzlich Punkte.

Nächster in der Reihe war der erste französische Starter. Romain baute sicher und zügig ein und kletterte sauber und konzentriert die einzelnen Stationen ab. Das Publikum unterstützte ihn nach Kräften mit den aus vielen anderen Sportarten bekannten „Allez ! Allez !“ Rufen. Wenige Sekunden vor Ablauf der Zeit zog er sein letztes Seil über den Ankerpunkt. Dieses fiel aber unglücklich in die Mitte des zwei Meter hohen Zwiesels. Drei Sekunden fehlten Romain letztendlich.

Nach Sophie folgte der dritte Starter aus Frankreich. Der zweimalige französische Meister Jérôme benötigte ebenfalls viel Zeit für den Seileinbau. Nach drei Stationen und mit drei Minuten Restzeit auf der Uhr fehlte ihm die Kraft um die vierte Station anzuklettern. Er seilte sich daher ab und baute sein System in der Zeit aus.

Letzter Starter war Miguel aus Spanien. Er benötigte fast zwei Drittel der Zeit für das Einwerfen. Es wollte ihm einfach kein Wurf gelingen. In der Restzeit schaffte er drei Stationen, bevor er mit dem Ausbau begann. Dabei löste sich leider seine mit hinaufgezogene Wasserflasche und krachte zu Boden. Die Disqualifikation war die Folge.

Die neuen Europameister

Durch die beiden Disqualifikationen war nach der letzten Starterin klar, dass Josphine Hedger ihren Titel verteidigte. Spannender war es bei den Herren. Die Meinungen, wer Sieger ist und wer es als Dritter auf das Treppchen schafft, waren gespalten. Umso größer die Freude bei Fafa, als er seinen ersten Podiumsplatz auf einer Europameisterschaft feiern durfte. Mit der Verkündung des zweiten Platzes an Frits kannte der Jubel der zahlreichen Franzosen vor Ort keine Grenzen mehr. Denn jetzt war klar: Romain Chignardet ist der neue Europameister im Baumklettern.

Die Ergebnisse im Detail als Download

Eine besondere Ehrung, den „Spirit of the Competition“ Preis, erhielt der in der Szene beliebte Florim Ajda. Er trug mit seiner freundlichen und informativen Moderation der Meisterschaft in vielen Sprachen zur grandiosen Stimmung an allen Tagen entscheidend bei. Dennoch ist es für zukünftige Meisterschaften wünschenswert, wenn beim Masters der Damen eine ähnliche Stimmung herrscht wie bei den Herren. Leider nutzten viele Zuschauer die Mastersläufe der Damen für eine Pause.

ETCC 2019 – eine Europameisterschaft im Baumklettern auf Rügen

Ganz zum Schluss und fast im Trubel der feiernden Sieger untergegangen, ist die Botschaft des Präsidenten der ISA Deutschland. Jan von Hofmann verkündete den Standort der Europameisterschaft 2019. Dann treffen sich die besten Kletterer aus Europa auf der Insel Rügen in Deutschland. Freeworker wird vor Ort sein und hofft, dass auch viele heimische Kletterer – und natürlich auch Gäste aus aller Welt – die Chance nutzen, um sich Baumklettern auf allerhöchstem Niveau anzuschauen. Und vielleicht gelingt es mit deren kräftiger Unterstützung den heimischen Kletterern erneut, den Heimvorteil zu nutzen.

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